Zum spitz­kin­ni­gen Comic-​​Ermittler im grün-​​karrierten Knickerbocker-​​Anzug hat der Aache­ner Rap­per nur eine pho­ne­ti­sche Ver­bin­dung. Und wie­der hat Nic Knat­ter­ton das Sagen; 17-​​fach gibt’s sei­nen unver­kenn­ba­ren Style auf dem sechs­ten Stu­dio­al­bum „Eine Runde Mit­leid“ (Al Dente Recordz/​Alive).

Seit dem 2004er Release „Jugend­li­cher Leicht­sinn“, dem ers­ten fami­liä­ren Co-​​Produkt, ist Nics Ehe­frau Johanna für die melö­diöse Rücken­de­ckung zustän­dig und sie steu­ert auch bei die­sem Release stil– und stimm­si­cher den Cho­rus bei. Knat­ter­tons Rhy­mes sind der­weil immer mal für wort­ver­spielte Kla­mauk­stück­chen gut, sein Intro ent­nimmt er der „Raupe Nim­mer­satt“. Doch schmie­det ein Rap­per wie Domi­nik Wal­ter seine Beats bes­ser auf Mes­sage, und die geht vegetarisch-​​anarchisch-​​antifaschistisch („Vege­tan­ar­chist — The Return“).

Die Beats stam­men durch­weg vom Pots­da­mer Pro­du­zen­ten DJ Knick­neck, dabei prä­sen­tiert sich das Gesamt­ge­füge erstaun­lich varia­bel: Mit „Das bin ich“ lie­fert Knat­ter­ton das von Kla­vier­klim­per­tö­nen unter­legte Zwi­schen­fa­zit eines poli­ti­schen Musi­kus, strei­cher­ge­trie­ben gibt sich der „Ver­fol­gungs­wahn“, ent­spannt flowt „Das Leben ist schön“, die „Fal­schen Freunde“ Kool Savas & Co. bekom­men einen vor den Latz, Georg Kreis­ler mischt sich mit der „Der guade oide Franz“ ein und die Fea­turetracks bewah­ren sowieso ihren ganz eige­nen Charakter.

Auf „Bad Aken — Part 2″ setzt Knat­ter­ton an der Seite von Tobo Ranx wie schon bei „Keine Zeit“ auf Ragga-​​Gesang, beim vor Mut­ter– und Vater­glück nur so strot­zen­den „Mio, mein Mio“ darf der cover­be­kannte Soh­ne­mann mit ran, „Stopp!“ gibt sich dank der Köl­ner Micro­phone Mafia auf Strei­chers­ample mul­ti­lin­gual, wenn Rossi auf Ita­lie­nisch und Kutlu auf Tür­kisch los­rap­pen, „You Don’t Know“ wird mit Unter­stüt­zung von Chaoze One und Lotta C into­niert und voll­kom­men unver­kenn­bar Anar­chist Aca­demy liest sich der „Lie­bes­brief“, eine schon weh­mü­tige Ver­nei­gung vor dem alten, dem guten Hip­Hop, wie ihn so nur Deadly T, Bomba und der nach Wie­der­auf­raf­fung lange Zeit außen vor gewe­sene Han­nes Loh inter­pre­tie­ren können.

Auch die übrige Fea­ture­list lässt sich hören: Rich Boy und der Aachen-​​Inferno-​​Kollegen Acme („Alle zusam­men“), Senior D („Yin Yang“) und der Münch­ner Lea-​​Won („Kur­zer Pro­zess“). Dass das For­mat Knat­ter­ton selbst genü­gend Hit­po­ten­zial birgt, zeigt ein Zapp zum „Fern­seh­junk“, der uns der­art som­mer­leicht zwi­schen Alf-​​, Chips– und Bier­lau­ten ent­ge­gen­zwin­kert, dass die Hand­lungs­ma­xime nur hei­ßen kann: Diese „Runde Mit­leid“ geben wir Johanna und Nic nur zu gerne aus!

Noch mehr Geschich­ten zweier Öcher Jon­gens aka Nic Knat­ter­ton und MacMatt gibt’s auf der EP „Strai­ght Outta Aken“ (Anspiel­tipp „Back In The Days“) zum kos­ten­lo­sen Down­load.