14. August 2009
Nic Knatterton & Johanna — „Eine Runde Mitleid“
Zum spitzkinnigen Comic-Ermittler im grün-karrierten Knickerbocker-Anzug hat der Aachener Rapper nur eine phonetische Verbindung. Und wieder hat Nic Knatterton das Sagen; 17-fach gibt’s seinen unverkennbaren Style auf dem sechsten Studioalbum „Eine Runde Mitleid“ (Al Dente Recordz/Alive).
Seit dem 2004er Release „Jugendlicher Leichtsinn“, dem ersten familiären Co-Produkt, ist Nics Ehefrau Johanna für die melödiöse Rückendeckung zuständig und sie steuert auch bei diesem Release stil– und stimmsicher den Chorus bei. Knattertons Rhymes sind derweil immer mal für wortverspielte Klamaukstückchen gut, sein Intro entnimmt er der „Raupe Nimmersatt“. Doch schmiedet ein Rapper wie Dominik Walter seine Beats besser auf Message, und die geht vegetarisch-anarchisch-antifaschistisch („Vegetanarchist — The Return“).
Die Beats stammen durchweg vom Potsdamer Produzenten DJ Knickneck, dabei präsentiert sich das Gesamtgefüge erstaunlich variabel: Mit „Das bin ich“ liefert Knatterton das von Klavierklimpertönen unterlegte Zwischenfazit eines politischen Musikus, streichergetrieben gibt sich der „Verfolgungswahn“, entspannt flowt „Das Leben ist schön“, die „Falschen Freunde“ Kool Savas & Co. bekommen einen vor den Latz, Georg Kreisler mischt sich mit der „Der guade oide Franz“ ein und die Featuretracks bewahren sowieso ihren ganz eigenen Charakter.
Auf „Bad Aken — Part 2″ setzt Knatterton an der Seite von Tobo Ranx wie schon bei „Keine Zeit“ auf Ragga-Gesang, beim vor Mutter– und Vaterglück nur so strotzenden „Mio, mein Mio“ darf der coverbekannte Sohnemann mit ran, „Stopp!“ gibt sich dank der Kölner Microphone Mafia auf Streichersample multilingual, wenn Rossi auf Italienisch und Kutlu auf Türkisch losrappen, „You Don’t Know“ wird mit Unterstützung von Chaoze One und Lotta C intoniert und vollkommen unverkennbar Anarchist Academy liest sich der „Liebesbrief“, eine schon wehmütige Verneigung vor dem alten, dem guten HipHop, wie ihn so nur Deadly T, Bomba und der nach Wiederaufraffung lange Zeit außen vor gewesene Hannes Loh interpretieren können.
Auch die übrige Featurelist lässt sich hören: Rich Boy und der Aachen-Inferno-Kollegen Acme („Alle zusammen“), Senior D („Yin Yang“) und der Münchner Lea-Won („Kurzer Prozess“). Dass das Format Knatterton selbst genügend Hitpotenzial birgt, zeigt ein Zapp zum „Fernsehjunk“, der uns derart sommerleicht zwischen Alf-, Chips– und Bierlauten entgegenzwinkert, dass die Handlungsmaxime nur heißen kann: Diese „Runde Mitleid“ geben wir Johanna und Nic nur zu gerne aus!
Noch mehr Geschichten zweier Öcher Jongens aka Nic Knatterton und MacMatt gibt’s auf der EP „Straight Outta Aken“ (Anspieltipp „Back In The Days“) zum kostenlosen Download.
