4. September 2009
Alf – Die komplette erste Staffel
Ein unsäglicher US-Fernsehfilm sollte 1996 in deutschen Kinos richten, was die mit einem klassischen Cliffhanger endende Serie offen gelassen hatte. Denn die fünfte Staffel von „Alf“ wurde nicht mehr produziert. Zehn Jahre zuvor, als Paul Fusco und Tom Patchett die ersten 24-Minüter drehen, ist immerhin unsere Welt noch in Ordnung. Schließlich ist Alfs Heimatplanet Melmac dank des gleichzeitigen Einschaltens sämtlicher Haartrockner einer Nuklearkatastrophe zum Opfer gefallen – und er alias Gordon Shumway mitten ins Garagendach der Familie Tanner.
Dort haust die Außerirdische Lebensform zum Akronym verkürzt im Korb neben der Waschmaschine zusammen mit Willie (Max Wright), Kate (Anne Schedeen), Tochter Lynn (Andrea Elson), Sohn Brian (Benji Gregory), später dem jüngsten Spross Eric sowie seinem Heißhunger auf Kater Lucky ganze 100 Episoden lang (in Amerika sogar 102), verborgen vor den neugierigen Nachbarn Raquel (Liz Sheridan) und Trevor (John LaMotta) Ochmonek und der übrigen Öffentlichkeit. Bis die Armee vor der Hemdale Avenue 167 steht und die über vier Jahre vorm ZDF versammelte Fangemeinde mit schwerem Herzen und Unhappy End zurücklässt.
19 Jahre nach Einstellung gibt’s die erste Staffel der Kult-Sitcom wegen des langwierigen Urheberrechtsstreits um die Titelmusik endlich in einer deutschsprachigen Vierer-DVD-Box (Warner Home Video). Unter den 25 Folgen befinden sich neben dem Pilot „Hallo, da bin ich!“ solch spaßige Sequenzen der eigenen Sozialisation wie „Die Nacht, in der die Pizza kam“, „Katzenjammer“, „Großer Mann was nun?“, „Parasit mit Puderquaste“, „Ein Mädchen namens Rhonda“, „Wenn Schwiegermutter kommt“, „Das Fenster zum Garten“, „Der Kammerjäger und die Kakerlake“ und natürlich die geniale Doppelfolge „Gestatten, mein Name ist Schlegel“.
Und wenn die 229 Lenze alte zottlig-ko(s)misch-großfußige Mischung aus Ameisenbär und braunem Flokati mit Tommi Pipers rauchig-sonorer Stimme und konservenunterlegt seine zum Totlachen coolen Sprüche reißt („Das Fett brennt! Das Fett brennt!“), stellt man angesichts einer über die Jahre an nichts einbüßenden Gagdichte fest, dass jede Dialogzeile noch so rührig-vertraut vorkommt, als käme da ein geliebter Spielgefährte aus Kindertagen plötzlich mir nichts dir nichts vom Dachboden gestiefelt. Nachdem Ende der 80er einige Folgen auf Video erschienen sind, ist diese Veröffentlichung aber auch überfällig. Oder wie’s Willie Tanner einst beim unverhofften Wiedersehen (ausnahmsweise und unwidersprochen) auf den Punkt formuliert hat: „Willkommen zuhause, Meister Alf!“
