Bruchsal – Wenn auf der großen internationalen Bühne das hochkulturelle Tanzbein geschwungen wird, wiegt nicht selten ein offensichtliches Stück Bruchsal im Takt. Denn von der Bismarckstraße aus versorgt die Klaus Schreck GmbH in der achten Generation nicht nur Theater, Ballettkompanien und Musicals mit den passenden Stoffen und Schnitten; selbst Hollywood kauft in der Barockstadt.

Wie aus einer Zeitungsannonce zu entnehmen ist, lieferte das damals unter Ferdinand Schreck firmierende Unternehmen bereits 1923 „Trikots, Jacken, Anzüge in Eins (Venusanzüge), Trusen und Kniehosen nach eingesandten Farbproben und Maßen“. Und daran hat sich im Grunde nichts geändert. „Unser Hauptgeschäft ist das Fertigen von Trikotagen aus Stretchmaterialien“, erklärt Frank Schreck, der das Familienunternehmen 2005 von seinem Vater Klaus übernommen hat.

Die beiden Staatstheater in Karlsruhe und Stuttgart gehören ebenso zum langjährigen Kundenkreis des Tanz- und Theaterbedarfs wie sämtliche Berliner Häuser, die Opera National de Paris, das Royal Opera House in London, die Metropolitan Opera New York, das Hong Kong Ballet oder die Mailänder Scala. Auch für die Verfilmungen von „Harry Potter“, Musical-Produktionen wie „Cats“ und „Miss Saigon“ oder André Hellers Zirkus „Afrika! Afrika!“ wurden die besonderen Dienste der Firma Schreck bereits in Anspruch genommen.

„Es gibt Näherinnen, die schon zu Großvaters Zeiten im Betrieb waren“

Den guten Ruf in der Branche hat sich das Traditionsunternehmen über 235 Jahre erarbeitet. Christian Ernst Schreck, ein erfahrener Wirkmeister, begann 1774 mit der Fertigung von Trikotkostümen; 1870 gründete sein Urenkel Carl Ernst dann die erste Fabrik für Bühnentrikotagen. Bis in die Nachkriegszeit war das Unternehmen im thüringischen Zeulenroda ansässig, dann floh Karl Gustav Schreck in den Westen nach Bruchsal. Und dort benutzte er als einer der ersten das damals noch neuartige Elastan für seine Textilien.

„Ballett ist nichts anderes als Hochleistungssport; da muss die Faser mithalten“, erklärt sein Enkel Frank. Und eben dafür sorgt der hohe Elstan-Anteil in den Stoffen. Einfach zu verarbeiten ist diese äußerst dehnbare Kunstfaser allerdings nicht. „Wir haben deshalb speziell auf unsere Arbeit zugeschnittene Nähmaschinen“, so der Geschäftsführer. Manche tun ihren Dienst schon seit 100 Jahren. Und auch beim Personal setzt man auf Kontinuität: „Es gibt Näherinnen, die schon zu Großvaters Zeiten im Betrieb waren“, erzählt Schreck. „Was wir hier machen, ist noch richtiges Handwerk.“ Denn am Schluss wird jede Naht von Hand verknotet, damit sie bei aller Elastizität auf keinen Fall mehr aufgehen kann.

Die Stoffe lässt Schreck nach Kundenwunsch stricken: „Wir beziehen aber ausschließlich aus Europa. Asiatische Ware kommt bei uns prinzipiell nicht auf den Tisch“, stellt seine Ehefrau Stephanie klar, die für die Produktionsleitung zuständig ist. Bis zu 100 Rollen von Make-Up-Stoff über Leopardenmuster und Glitzer-Look bis hin zum klassischen Ballettanzugsstoff umfasst das Lager.

Von der „Landshuter Hochzeit“ bis zu Super Oli Pocher

Abwechslung in der Nähstube versprechen Aufträge für historische Feste; so ist die Klaus Schreck GmbH Beinlings-Ausrüster für die „Landshuter Hochzeit“ und auch die mitwirkenden Gruppen beim Brettener „Peter-und-Paul-Fest“ vergeben derartige Arbeiten gerne nach Bruchsal. Selbst Popkultur-Schaffende gehören zur Klientel des 20 Köpfe starken Unternehmens: Die schwarz-weißen Ganzkörperanzüge, mit denen die No Angels aus ihrem aktuellen Video „One Life“ herausstechen und Ende August in Köln bei der Musikshow „The Dome“ aufgetreten sind, wurden im Hause Schreck produziert; gleichfalls der rot-gelbe Superman-Anzug, in dem Oliver Pocher 2006 noch für einen Schokoriegel geworben hat. Weil auch der Kulturbegriff dehnbar ist.