RTL Samstag Nacht - Das Beste aus Staffel 4Quasi über Sams­tag­nacht brach­ten sie­ben Spaß­ma­cher mit der Adap­tion des bei­nahe gleich­na­mi­gen ame­ri­ka­ni­schen For­mats „Satur­day Night Live“ im Herbst 1993 die Comedy nach Deutsch­land. Und jetzt gibt’s 1.260 wei­tere Minu­ten „RTL Sams­tag Nacht — Das Beste aus Staf­fel 4″ (Tur­bine Medien/​Alive) live on Disc.

Als am 21. Sep­tem­ber 1996 die vierte und vor­letzte Staf­fel anläuft, ist die Reihe der Pro­du­zen­ten Hugo Egon Bal­der und Jacky Dreks­ler mit dem „Baye­ri­schen Fern­seh­preis“, dem Löwen von Radio Luxem­burg sowie einem „Bambi“ aus­ge­zeich­net und fes­ter Bestand­teil des Wochen­en­des; anar­chisch, sati­risch, rotz­frech oder ein­fach völ­lig balla balla prä­sen­tie­ren Esther Schweins, Mirco Nont­schew, Olli Dittrich, Ste­fan Jür­gens, Tanja Schu­mann, Wigald Bon­ing und der damals seit einem Jahr an Bord befind­li­che Tommy Krapp­weis Sket­che und Par­odien, die inzwi­schen nichts weni­ger als Fern­seh­pop­kul­tur sind.

Mit dem „Grimme-​​Preis“ aus­ge­zeich­net ist die Talk­runde „Zwei Stühle, eine Mei­nung“, in der Bon­ing mit einem „Halli hallo“ Die­ter Boh­len, Qua­si­modo, Mike Tyson, Boris Becker und andere Knall­köpfe sowie die selbst­kre­ier­ten Figu­ren Luden-​​Mike Han­sen, das spre­chende Schaf Billy und die Ver­wandt­schaft von Boxer But­sche, Bru­der Bubi und Schwes­ter Bibi Roni begrüßt, in deren Haut jeweils sein kon­ge­nia­ler Kol­lege Dittrich steckt.

„Pucki ist weg“ und hei­te­rer Spät­sel­raß in der Bühnchenhude

In „Derrick“ sehen wir Jür­gens und Krapp­weis als Ste­phan und Harry auf Gau­ner­jagd; Schu­mann legt als „Schrei­ne­makers ihre Schwes­ter“ selbst der ech­ten Mar­ga­rete zu The­men wie „Hilfe, ich bin Peter Bond“ oder „Hilfe, wenn ich Por­nos gucke, schub­beln meine Nip­pel“ die müt­ter­li­che Hand aufs Knie; die Jungs von „Far Out“, Nont­schew alias Pain und Krapp­weis alias Splat­ter, gehen in die Extreme und ver­su­chen sich im Bekiffing, Super­man­ning, Ikea­ing, Russisch-​​Rouletting, Graf­f­i­ti­ing, Sup­pen­kas­pe­ring, Dok­tor­spie­ling und Auf-​​den-​​Bus-​​Warting.

Mit den „Frei­tag Nacht News“, mode­riert von Henry Gründ­ler und Ruth Mosch­ner, konnte sich eine „Sams­tag Nacht“-Nummer nach dem Aus 1998 sogar in die Eigen­stän­dig­keit ret­ten: Wenn der klöp­pelnde Ex-​​Anchrorman Hans Mei­ser die Nach­rich­ten ein­läu­tet, ist klar, dass Jür­gens und Schweins auch beim all­wö­chent­lich umju­bel­ten Ver­mel­den des Able­bens eines gewis­sen Karl Ran­seier das letzte Wort haben. Und dann gibt’s natür­lich „Neues vom Spocht“, wo sich dies­mal vie­les um Pucki, die sym­pa­thi­sche Hart­gum­mi­scheibe dreht. Der ist näm­lich weg.

Eben­falls in der sechs DVDs star­ken Box mit ihren 32 Fol­gen aus dem fes­ten Bou­quet an Sket­chen: „Die kleine poli­ti­sche Ecke“ mit Herrn Schall und Herrn Rauch, die Nonsense-​​Interviews aus „Wigalds Welt“, „Wil­helms Woche“, die Mono­loge von Ex-​​Bruder Gott­fried („Rufen Sie mich an — auch nachts!“), „Eine schreck­lich kar­ne­va­lis­ti­sche Fami­lie“, „Für alle Fälle Schwes­ter Esther“, die „Hob­by­thek“ mit Jean „Olli“ Pütz, das zwei­zei­lernde Orakel-​​Whip Ali Ben­gali und natür­lich lau­fen die von spit­zen Schreien beglei­te­ten Akti­ons­wo­chen bei „Ken­tu­cky schreit ficken“: Zum hei­te­ren Spät­sel­raß in die Bühn­chen­hude lockt aller­lei lecker Kreinschwam.

Selbst Möl­le­mann schaut auf einen Sprung vorbei

Von den Musik-​​Acts konnte unter ande­rem Depe­che Mode („It’s No Good“) und den Fan­tas­ti­schen Vier („Der Pick­ni­cker“) recht­li­che Unbe­denk­lich­keit beschei­nigt wer­den und natür­lich mischen neben der Stu­dio­band RTL Sams­tag Nacht All­stars unter der Lei­tung von Mar­tin Ernst, der auch das bekannte Saxophon-​​Intro kom­po­niert hat, wie­der jede Menge Pro­mis mit: Til Schwei­ger ver­sucht sich als Apo­the­ken­tür­ste­her, Jochen Busse wird zum Zahn­arzt, Iris Ber­ben dreht krumme Din­ger, Rüdi­ger Hoff­mann bremst das Mob­bing aus, Gaby Kös­ter berich­tet von drei­bei­ni­gen Wesen, Henry Maske trifft But­sche Roni, Mar­kus Maria Pro­fit­lich erweist sich als Com­pu­ter­ex­perte und Rain­hard Fend­rich spielt „Schmerz-​​Blatt“.

Dau­er­gast und Ober­arsch­loch Ingo Appelt hat’s der­weil von Zivil­dienst, Tier­liebe, Fuß­ball, Baby­boom, sei­nem bes­ten Freund Gre­gor Gysi und Sui­zid, Michael Wins­low ver­tont das Ten­nis­match McEn­roe vs. Chang und Jenny Elvers ist die Ziga­rette danach. Dazu gesel­len sich Piet Klo­cke, Moritz Bleib­treu, Maren Kroy­mann, DJ Bobo, Dirk Bach, Iris Ber­ben, Hape Ker­ke­ling, Jochen Busse („Da liegt kein Segen drauf“), Peter Shub, Ott­fried Fischer, Wal­ter Frei­wald, Karl Dall und Mike Krü­ger. Dabei macht nicht nur das weh­mü­tige Wie­der­se­hen mit Klaus Wen­ne­mann bewusst, wie lange es her sein muss. Selbst der Möl­le­mann schaut noch auf einen Sprung vor­bei (und zieht aus­nahms­weise Leine), dazu kom­men jede Menge Michael-​​Jackson-​​Witze oder kurz gesagt: das Beste, was deut­sche Comedy zu bie­ten hatte.