Fools Garden - "High Times"
Sie sind der Inbegriff des One-Hit-Wonders. Und mehr als eine Single sollte es nicht brauchen, wenn Fools Garden ihr "Best Of"-Album zusammenstellen. Meint man. Die Beatles-Adepten aus Pforzheim versammeln aber tatsächlich gleich 15 Stücke auf "High Times" (Lemonade Music) und am Schluss wird's dank der Titelnummer nochmal unerwartet spannend."Why Did She Go?"? "Probably"? "Suzy"? Nie gehört - obgleich doch allesamt chartplatziert? Wie gut, dass gleich der Opener eine Zeitmaschine sondergleichen in Gang setzt: Denn bei "Lemon Tree" weiß jeder, wo der Hammer hängt. Fool's Gardens (damals noch mit Apostroph) Nummer-Eins-Hit von 1995, für den Peter Freudenthaler (Gesang), Volker Hinkel (Gitarre) und die damaligen Bandmitglieder Thomas Mangold (Bass), Roland Röhl (Keyboard) und Ralf Wochele (Schlagzeug) im In- und Ausland mit Gold, Platin und Werweißnichtwas aufgewogen wurden, ist jedem noch im Ohr und sei er darüber auch noch so angesäuert.
Auch die zweite Nummer vom Hit-Album "Dish Of The Day", "Wild Days", mit der Freudenthaler und Band einst einen C&A-Spot vertonen durften, verführt zu nostalgischem Schwelgen in den 90ern. Zwischendrin spiegelt "The Best Of" vielfach die geknickte Karriere von Fools Garden wider: Alles zumeist ganz adrett arrangiert, aber irgendwie zu wenig bei, was langfristig hängen bleibt; nicht das 60er-Harmonien atmende "Rainy Day", der "Comedy Song" oder "Welcome Sun" von der "Go And Ask Peggy For The Principal Thing" (1997), nicht die auf "Ready For The Real Life" (2005) erschienenen "Count On Me", "Dreaming" und "Life".
Das zur WM 2006 veröffentlichte "I Got A Ticket" klingt (erst recht für eine Stadion-Nummer) viel zu verhalten und selbiges gilt für "Million Dollar Baby", zusammen mit "Home" der gleichnamigen Limited-Edition-EP (2008) entnommen - im Gegensatz zum Rest allerdings nicht nur schön, sondern bislang immerhin auch selten.
Aufhorchen lässt das Quartett (seit 2003 mit Dirk Blümlein am Bass und Schlagzeuger Claus Müller) erst zum Finale ihrer Bestenliste, die sie im Oktober zu Promozwecken auf Webtour geschickt haben. Das bislang unveröffentlichte, von cembaloartigem Tastenspiel und Streichern getragene "High Time" keimt nach einer guten Minute und steht schließlich als ohrwurmige Mitsing-Pop-Hymne mit elektrischer Verstärkung in voller Blüte; seit kurzem auch in den Radio-Charts - verdienter Lohn für richtig gutes Songwriting! Um eine echte Chance auf ordentlich mehr zu haben, kommt der Song allerdings gute zehn Jahre zu spät. In den Himmel wachsen die Zitronenbäume dieser Tage wohl nicht mehr.
Labels: CD

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