Götz Widmann - "Hingabe"
Der Liedermacher muss sein Herz zwangsläufig auf der Zunge tragen. Stimmt das, scheint Götz Widmann derzeit die Sonne aus allen Löchern. Denn er schwelgt nach dem eher eruptiven "Böäöäöäöäöä" auf seinem ebenso vielsagenden Neuling "Hingabe" (Ahuga/Alive) in Harmonien.Wieder hat Widmann 13 neue Stücke live eingespielt, aufgenommen vor kleinem Publikum an vier Abenden im Kölner Theater im Bauturm und ohne Anlage, was die ganze Produktion vornweg mit wohligem Wohnzimmercharme umgarnt.
Schon im eröffnenden "Streiten und Liebe machen" setzt der Bonner Barde auf Einklang: "Wie gut mir deine Liebe tut" und "Wolke 7" sind nicht nur zwei richtig schöne Bekenntnisse, sie dokumentieren ganz ohne Umschweife Befindlichkeit, markieren ein weiteres Ende der Einsamkeit. Und mit Mitte 40 findet Widmann für solche Wohlstände offenbar zusehends Worte. Da wirken selbst die drei berühmten nur konsequent.
Einzig das die Weiblichkeit anklagende "Jesus Freak" und "Die schöne Frau hinter der Bar" stammen (zu Erheiterung des Hörers!) ganz offensichtlich aus einer vergangenen Lebensphase, als Fickblick und Nebenbuhler noch eine Rolle gespielt haben. Nachdenklich gestimmt ist sein persönliches "Babylon", aber dann ist da ja der Titelsong "Hingabe", das "Glaubensbekenntnis eines Ungläubigen mit spirituellem Restbedürfnis", in dem Widmann gleich wieder jeden Zweifel wegwischt. Bei diesem Loblied aufs Leben lehnt sich sogar die mittlerweile nicht mehr ganz so obligatorische Anbauernummer mit Option zum Aufhören entspannt zurück ("Vier Jahreszeiten").
Gottoderwemauchimmerseidank kann er sie auch angesichts vollkommener Glückseligkeit aber nicht unterdrücken, seine herrlich abseitigen Gedanken, diese Gabe, eine fixe Idee auf dreieinhalb Minuten Musik auszuwalzen. Das genial entnervt intonierte "Schwanger" ist so eine. Widmann begibt sich auf die Spuren von Schwarzeneggers "Junior" und schließlich kommt auch noch die Schlaggitarre zum Einsatz: Tod dem "Laptopwebcammann"!
Und welche halbwegs ansehliche Frau bislang ernsthaft geglaubt hat, der Gegenüber würde ihr stets ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, weiß nun, was im Laufe einer Konversation in so einem "Mannhirn" vorgeht. Auch beim sarkastisch-zynischen Abgesang auf den "Sozialberuf" darf das Schmunzeln beibehalten werden und mit dem wortspielerischen "Bubble Bubble Blablabla" gibt's einen heiteren Nonsense-Zweizeiler - auf Englisch!
Abgesehen davon ruht diese Platte in sich selbst - auch, weil sich Widmann diesmal ganz der Liedkunst hingibt und die Ansagen zwischen den Stücken außen vor gelassen hat. Für den Moment ist von seiner Seite anscheinend alles gesagt.
Labels: CD

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