1. Oktober 2009

John Rabe

Er gilt als Oskar Schindler von China. Dort bewahrte der Hamburger Kaufmann John Rabe 1937 rund 250.000 Menschen vor den Bomben der Japaner. Heuer tut „Oscar“-Preisträger Florian Gallenberger, was bislang Amerikanern wie Steven Spielberg oder jüngst Bryan Singer mit „Operation Walküre“ vorbehalten blieb: Er bricht in „John Rabe“ (Majestic Home Entertainment) mit dem Tabu, einen Nazi in heimischer Produktion als Kriegsheld zu feiern.

Ulrich Tukur schlüpft in Rabes Rolle, der die Siemens-Niederlassung in Nanking leitet. Als die damalige chinesische Hauptstadt von der kaiserlichen japanischen Armee angegriffen wird, öffnet er die Tore des Firmengeländes; es gelingt ihm und seinen Mitstreitern – dem deutsch-jüdischen Diplomaten Rosen (Daniel Brühl), der Schulrektorin Dupres (Anne Consigny) und Chefarzt Wilson (Steve Buscemi) – den Japanern eine Sicherheitszone für die schutzsuchenden Familien der Arbeiter abzutrotzen, in der er die Menschen buchstäblich unter der Hakenkreuzfahne rettet.

Behutsam darauf bedacht, keine Schönfärberei zu betreiben, verklärt der auf internationalem Niveau inszenierte und mit vier „Lolas“ (neben dem „Besten Film“ gab’s „Deutsche Filmpreise“ für Hauptdarsteller, Szenen- und Kostümbild) ausgezeichnete 134-Minüter den Titelhelden keineswegs als bewussten Widerstandskämpfer. Aber selbst das Maß an Menschenfreundlichkeit, das Gallenberger dem „Guten Deutschen von Nanking“ zuschreibt, dessen hierzulande weitgehend unerzählte Geschichte erst 1996 mit der Veröffentlichung seiner Tagebücher aus der Versenkung geholt wurde, übersteigt wohl die historische Figur John Rabe – nicht zu vergessen bekennendes NSDAP-Mitglied und glühender Hitler-Verehrer. Auch ein guter Nazi bleibt, was er ist.