Tho­mas Lich­ten­wal­terKarlsdorf-​​Neuthard — In die­sem Karls­dor­fer Ton­stu­dio lau­fen nicht nur Musik­grö­ßen auf. Zwar drückt Andreas Gör­litz seit sei­ner Rück­kehr zum FC Bay­ern noch Kran­ken­la­ger und Ersatz­bank; hat er aber die Gitarre in der Hand, ist der Mann von der rech­ten Außen­bahn spiel­freu­dig wie zu sei­nen bes­ten KSC-​​Zeiten.

Damals lernte der Pro­fi­fuß­bal­ler Tho­mas Lich­ten­wal­ter vom Piranha Recor­ding Stu­dio in Karls­dorf ken­nen, wo das Debüt von Gör­litz‘ Rock­band Room 77 pro­du­ziert wurde, das seit Wochen­an­fang in den Läden steht. Bis dato war die CD nur via Band-​​Website zu bezie­hen; ab Mon­tag, 23. Novem­ber, ist die zweite Pres­sung raus und „At Home“ (NL Distribution/​Alive) steht auch im Mul­ti­me­dia­markt und mp3-​​Shop des Ver­trau­ens zum Kauf.

„Ein Bayern-​​Spieler mit Rock­band — dafür kann man die Japa­ner begeistern!“

„Eigent­lich woll­ten wir nur zwei Stü­cke, ‚Dif­fe­rent Views‘ und ‚Only One Way‘, auf­neh­men. Dann wurde spon­tan beschlos­sen, dass ein kom­plet­tes Album draus wer­den soll“, erzählt Lich­ten­wal­ter. Dazu musste aber noch der ein oder andere Song her, „also haben wir begon­nen zu kom­po­nie­ren“, sagt er — und zwar so, als wäre grade die „Rock-​​Woche“ bei Aldi ange­bro­chen. Doch der Ton­tech­ni­ker und Pro­du­zent weiß nur zu gut, wie man Musik macht; spielte jah­re­lang selbst in Bands, allen voran als Gitar­rist bei Tor­rent und Novo­kain. Und so machte er sich mit Andi, des­sen Bru­der Mar­kus (Gesang), Tem­ren Demir­bo­lat (Gitarre), Manuel Rie­se­mann (Bass) und Michael Kratzl (Schlag­zeug) ans krea­tive Werkeln.

Beim Tex­ten mit­ge­hol­fen hat Gör­litz‘ Men­tal­trai­ner Hol­ger Fischer, der wäh­rend der Arbeit an sei­nem Best­sel­ler „Sie sind ihr bes­ter Coach“ den Hang zum geschrie­be­nen Wort ent­deckt hat: „Schat­ten“, der ein­zige deutsch­spra­chige Track auf „At Home“, und „Hope“, eine hym­nen­hafte Num­mer fürs SOS-​​Kinderdorf Ammer­see, das auch vom Ver­kaufs­er­lös der Scheibe pro­fi­tiert, stam­men von ihm. Getra­gen sind alle zehn Songs von kernig-​​breitwandigem Rock­sound, der bald schon bis nach Fern­ost für Furore sor­gen soll: „Ein Bayern-​​Spieler mit Band — dafür kann man die Men­schen in Japan begeis­tern!“, ist Lich­ten­wal­ter über­zeugt. Jetzt spricht der Mana­ger von Room 77.

Das „Rock’n’Roll-Studio“ in der Bahn­hof­straße 21 ver­mit­telte dem Lin­ken­hei­mer im Jahr 2001 ein Kunde, für den er schon zu akti­ven Band­zei­ten die ein oder andere Arbeit über­nom­men hat. Auf zwei Geschos­sen ver­tei­len sich hier im war­men Ambi­ente eine große und eine kleine Regie sowie drei Auf­nah­me­räume samt Pau­sen­zim­mer und Küche — in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zu den Zanki-​​Brüdern, die Mitte der 70er den Anfang der Karls­dor­fer Stu­dio­an­samm­lung markierten.

Das nächste Groß­pro­jekt: „Rock Meets Lyrics“

„Über­wie­gend mache ich nach wie vor Band­auf­nah­men“, meint Lich­ten­wal­ter. Dar­un­ter befin­den sich auch mal sol­che Kra­cher wie die Ham­bur­ger Hel­lo­ween, die sich vom Piranha Ton­stu­dio die Chor­s­am­ples für ihre nahezu kom­plett aus­ver­kaufte „Keeper“-Welttournee 2006 pro­du­zie­ren lie­ßen. Auch der ehe­ma­lige Sän­ger der Kür­bis­köpfe, Michael Kiske, buchte Lich­ten­wal­ter für die Schlag­zeug­auf­nah­men sei­nes Plat­ten­pro­jekts „Place Ven­dome“. In sel­ber Ange­le­gen­heit war er beim aktu­el­len Album der Stutt­gar­ter Debau­chery aktiv, nahm mit den Western-​​Metalern Dez­pe­ra­doz und den seit „Good­bye Deutsch­land“ auch außer­halb Wag­häu­sels berühmt gewor­de­nen Pussy Siss­ter auf. Selbst Pro­du­zen­ten­kol­lege und Ton­stu­dio­be­sit­zer Den­nis Ward, als Bas­sist von Pink Cream 69 eben­falls kein Unbe­kann­ter, schätzt das akus­ti­sche Design im Hause Piranha und kommt immer mal wie­der für Schlag­zeug­auf­nah­men vorbei.

„Den­noch muss man sehen: Das klas­si­sche Recording-​​Geschäft ist rück­läu­fig“, bilan­ziert Lich­ten­wal­ter, der als freier Bera­ter in der Stu­dio­ab­tei­lung des Karls­ru­her Rock Shop ein wei­te­res Stand­bein sicher hat. Mit Wochenend-​​Crashkursen in Auf­nah­me­tech­nik las­tet er sein Stu­dio aus, gibt außer­dem Wer­be­agen­tu­ren Semi­nare in Sachen „Pro Tools“, einem der Stan­dard­pro­gramme für Musik­pro­duk­tio­nen. Und das nächste Groß­pro­jekt hat Lich­ten­wal­ter auch schon vor Augen: „Rock Meets Lyrics“. Wie­der ist Men­tal­coach Fischer im Spiel, des­sen im Vor­der­grund ste­hende Texte von Classic-​​Rock trans­por­tiert wer­den sol­len. Als Sai­ten­künst­ler im Gespräch sind Vic­tor Smol­ski von Rage und Scorpions-​​Gründer Rudolf Schen­ker. Der könnte dann auch die Gebrü­der Gör­litz schon mal ein biss­chen ein­stim­men. Schließ­lich kennt sich der Gibson-​​Flying-​​V-​​Gitarrero nur zu gut aus mit „Tokyo Tapes“.