Dennis WardKarlsdorf-​​Neuthard — Sie gel­ten auch 18 Jahre nach „One Size Fits All“ als ein­zige Karls­ru­her Band von inter­na­tio­na­lem For­mat. Nun haben die Hard­ro­cker Pink Cream 69 das neue Jubiläums-​​Live-​​Album und die dar­über hin­aus­ge­hende DVD „Past And Pre­sent“ ver­öf­fent­licht, beide auf­ge­nom­men Anfang des Jah­res beim sel­te­nen Heim­spiel in der Dur­la­cher Fest­halle. Pro­du­ziert wer­den die Ton– und Bild­trä­ger der Pin­kies mitt­ler­weile in Eigen­re­gie: Bas­ser Den­nis Ward hat im hei­mi­schen Karls­dor­fer Kel­ler­stu­dio die Reg­ler in Händen.

Seit 1994 nennt sich der Pro­fi­mu­si­ker auch „Pro­fes­sio­nal Pro­du­cer“. Zu Anfang war’s noch die bloße Begeis­te­rung fürs tech­ni­sche Gerät: „Mein Vater hat in Würz­burg als Fun­ker fürs ame­ri­ka­ni­sche Mili­tär gear­bei­tet. Das dafür nötige Equip­ment hat mich immer fas­zi­niert — ich war ein rei­ner Techie. Erst spä­ter kam die Musik ins Spiel“, erzählt Ward. Er lernte Saxo­phon, Akus­tik­gi­tarre und Kon­tra­bass, stieg auf E-​​Bass um, spielte nach der High­school bei Tusk und ande­ren Bands bis die Fami­lie Ward nach Hei­del­berg umzog. „Bass Player Loo­king For Rock Band“ annon­cierte er dort „und die ein­zi­gen, die sich gemel­det haben, waren Kosta Zafiriou und Andi Deris“, lacht Ward. Wenige Wochen spä­ter stand er mit dem grie­chi­schen Schlag­zeu­ger, Gitar­rist Alfred Koffler und dem inzwi­schen zu den Ham­bur­ger Kür­bis­köp­fen Hel­lo­ween über­ge­lau­fe­nen Sän­ger im Stu­dio. Die Erfolgs­for­ma­tion war komplett.

Den neu­er­li­chen Impuls bekam Ward wie­derum von sei­nem Dad: „Er schenkte mir Video­tapes zum Thema Ton­tech­nik. Ich begann mich immer mehr zu inter­es­sie­ren, inves­tierte in Misch­pult, Auf­nah­me­ge­rät — von da an war ich hooked!“ Bei der Pink-​​Cream-​​Platte „Food For Thought“ hatte er schon mit­ge­mischt, seit dem 98er Release „Elec­tri­fied“ regelt Ward alles selbst, natür­lich nicht nur für die eigene Band: Axxis, Angra, Kro­kus, Debau­chery, Dez­pe­ra­doz, Wicked Sen­sa­tion, Pri­mal Fear, House Of Lords, Robin Beck oder das Solo­al­bum des Pink-​​Cream-​​Sängers David Read­man — wer mit strom­ver­stärk­ten Gitar­ren­sounds ver­traut ist, weiß diese Refe­renz­liste ein­zu­schät­zen. Dabei über­wacht Ward nicht nur die Auf­nah­men, son­dern hilft bei man­cher Pro­duk­tion selbst am Vier­sai­ter aus.

„Viele mei­ner Kun­den treffe ich nie persönlich“

Bereits bevor es ihn ins Tonstudio-​​Mekka gezo­gen hat, war Ward öfter Karls­dor­fer Gast: Meh­rere Jahre ging er als selbst­stän­di­ger Pro­du­zent bei den HOFA-​​Studios ein und aus. Als ein Mit­ar­bei­ter von Bot­tom Row Pro­mo­tion — einer Karls­ru­her Musiker-​​Agentur, für die auch Band­kol­lege Kosta arbei­tet — sein Rei­hen­haus ver­mie­tet, wird Ward in Karls­dorf sess­haft und rich­tet sein Kel­ler­stu­dio ein. Der Raum ist über­schau­bar; eine voll­ver­sam­melte Band fin­det hier jeden­falls kei­nen Platz. Muss sie aber auch nicht und andern­falls befin­den sich die Kol­le­gen von House Of Audio, Tidal­wave oder Piranha Recor­ding Stu­dio in Rufweite.

„Meine Kun­den sind über die ganze Welt ver­teilt, viele treffe ich nie per­sön­lich. Wir tau­schen dann die zu bear­bei­ten­den Ton­spu­ren online aus. Das Inter­net hat mei­nen Job schon sehr ver­ein­facht“, befin­det Ward, der sich künf­tig aber wie­der mehr On Stage sieht: Uni­so­nic heißt sein neues Band­pro­jekt, das er mit Kosta Zafiriou, dem Gitar­ris­ten Mandy Meyer und Andi Deris‘ Vor­gän­ger bei Hel­lo­ween, der seit 17 Jah­ren büh­nen­ab­sti­nen­ten Wun­der­stimme Michael Kiske, gegrün­det hat. Fürs kom­mende „Mas­ters Of Rock“-Festival im tsche­chi­schen Vizo­vice sind sie schon gebucht.

„Jetzt müs­sen wir lang­sam ein paar Songs kom­po­nie­ren“, grinst Den­nis Ward und kün­digt neben der ein oder ande­ren Place-​​Vendom-​​Nummer Neu­in­ter­pre­ta­tio­nen von alten Helloween-​​Stücken an. Viele von ihnen hat Kiske kom­po­niert und bereits auf sei­nem jüngs­ten Pop-​​Soloalbum „Past In Dif­fe­rent Ways“ gezeigt, dass er keine Berüh­rungs­ängste mit dem Speed-​​Metal-​​Material von damals hat. Dies­mal wird’s Adult Ori­en­ted Rock — im gro­ßen Stil, so viel ist schon mal sicher.