Hallo, wer kennt hier eigentlich Anajo immer noch nicht? Zum zehnjährigen Bandbestehen stockt das 2004 gleich als neue Tocotronic gefeierte und „Bundesvision Song Contest“-erprobte Indie-Trio aus Augsburg vorübergehend um 26 Köpfe auf: „Anajo und das Poporchester“ (Tapete Records/Indigo) heißt das selbstgemachte Unplugged-Geburtstagsgeschenk. Und die Monika steht beinah ohne Tanzband da.

Mit den Studenten der Uni Augsburg waren die Bud-Spencer-Aficionados Oliver Gottwald (Gesang und Gitarre), Michael Schmidt (Bass und Keyboard) und Ingolf Nössner (Schlagzeug) ja bereits auf Tour zu hören und jetzt gibt’s ein mit dem Poporchester im Studio eingespieltes „Best Of“ samt zweier Nummern, die bisher nicht auf Platte zu haben waren: „Jungs weinen nicht“, das eingedeutschte Cover des Cure-Hits „Boys Don’t Cry“, dürfte Anajo-Konzertgängern schon von der Bühne entgegengeträllert sein, weniger verbreitet ist das hier bläserbetriebene „Landei“ von einem ihrer ganz frühen Demos.

Bei dieser Masse an Mitspielern muss der wunderbare Indie-Gitarrenpop mit seinen dezent verspielten Elektronikelementen Klangraum freimachen. Doch wie Sie hören, hören Sie nichts; jedenfalls nicht den vermutet pompösen Orchestersound. Denn die Maxime lautet Minimalismus.

Hier ein Streicher, eine Violine, dort ein Posaunenvorstoß, ein Flötenlaut und dann traut sich doch noch eine Trompete, die Welt zu retten. „Monika Tanzband“ bietet wie der Szene-Hit „Ich hol Dich hier raus“, die Hommage an Privatschnüffler Josef Matula samt „Ein Fall für zwei“-Titelthema, „Vorhang auf“ und „Lass uns sein, was wir sind“ in Orchesterform viel Vakuum. Und was ist, wird nur ganz dezent variiert.

Zumindest mitunter mehr Mut zu Vollmundigem wie beim abschließenden „Honigmelone“-Instrumental hätte die Big-Band-Arrangements um einiges aufgewertet. Aber macht nichts, Anajos unbeschwerte Songs sind auch so ganz groß; das zeigt sich schon daran, dass sie auch in Downgrade-Fassung noch ziemlich steil gehen.

Und so macht die übrige Auswahl mit „Stadt der Frisuren“, „Franzi + 2″, „Lang lebe die Weile“, „Mein lieber Herr Gesangsverein“ und der um Klee-Sängerin Suzie Kerstgens entschlackte „BVSC“-Kandidat „Wenn Du nur wüsstest“ vom zweiten Album „Hallo, wer kennt hier eigentlich wen?“ (dessen Titeltrack leider ebenso fehlt wie der „Streuner“) aus diesem retrospektiven Bühnenstück auf jeden Fall ein äußerst angenehmes Wiederhörn.