Georg WuchsaBruch­sal — Wenn es irgendwo auf der Welt einen neuen Duft gibt, hat Georg R. Wuchsa auch schon Wind davon bekom­men. Eigent­lich steht die Fami­lie in Bruch­sal als Syn­onym fürs Juwe­lier­ge­schäft; im Stamm­haus in der Bahn­hof­straße seit nun­mehr 60 Jah­ren. Doch hier ergän­zen noch ganz andere Kost­bar­kei­ten das Schmucks­or­ti­ment. Denn Wuchsa hat seine Obses­sion für aus­ge­fal­lene Düfte zur Pro­fes­sion erhoben.

Bei Mainstream-​​Parfüms rümpft er die Nase: „Diese linea­ren Labor­mi­schun­gen, die am Anfang inten­siv und im Laufe des Tages schwä­cher rie­chen, wer­den nicht von Men­schen, son­dern von Mar­ke­ting­ana­lys­ten und Com­pu­ter­pro­gram­men gemacht“, erklärt er. Nischen­düfte aus über­wie­gend natür­li­chen Ingre­di­en­zien haben es ihm ange­tan. Schon 1985 war das so, als er den Juwe­lier­la­den sei­ner Eltern über­nahm. Vor neun Jah­ren begann er dann damit, sei­nen Kun­den die ers­ten aus­ge­such­ten Wäs­ser­chen zu offe­rie­ren: Maitre Par­fu­meur et Gan­tier, Caron, Acqua die Parma, Lorenzo Villoresi und Amouge setz­ten das Fun­da­ment sei­ner Aus­wahl von mitt­ler­weile über 1.200 Düf­ten. „Ich handle mit cha­rak­ter­star­ken Par­füms, die in der brei­ten Masse auch mal Ableh­nung erfah­ren, dafür aber echte Per­sön­lich­kei­ten sind“, sagt Wuchsa. Für ihn zählt dabei nur der Inhalt, „Fla­con und Auf­ma­chung sind zweitrangig“.

„Der Abstand zwi­schen Nischen– und Mas­sen­düf­ten ist preis­lich unbedeutend“

Was er wäh­rend sei­ner Internet-​​Recherchen nach wei­te­ren Krea­tio­nen aus­fin­dig machen konnte, emp­fand Wuchsa damals als unzu­rei­chend – also beschloss er, eine eigene Platt­form ins Netz zu stel­len: Aus Liebe zum Duft. Inmit­ten der man­nig­fal­ti­gen Infor­ma­tio­nen über Par­füms und Par­fü­meure kann man sich längst den poten­zi­el­len neuen Lieb­lings­duft bestel­len. Und das muss nicht ein­mal kost­spie­lig sein: „Der Abstand zwi­schen Nischen– und Mas­sen­düf­ten ist preis­lich unbe­deu­tend gewor­den“, befin­det Wuchsa.

Seine Kun­den bestel­len aus aller Welt. First In Fra­grance nennt sich das Ange­bot fürs inter­na­tio­nale Kli­en­tel, um das sich mitt­ler­weile 14 Mit­ar­bei­ter küm­mern. Auch von der Beau­ty­szene für her­aus­ra­gend befun­dene Pfle­ge­pro­dukte und deko­ra­tive Kos­me­tik sind im Sor­ti­ment. Die Duft-​​Beratung per E-​​Mail ist dabei ein ganz beson­de­rer Ser­vice; schließ­lich kann man übers Inter­net nicht rie­chen. Oben­drein bie­tet Aus Liebe zum Duft des­halb auch die Mög­lich­keit, ein Pröb­chen im Zer­stäu­ber zu ordern. Gro­ßen Wert legt Wuchsa auf sei­nen Online-​​Auftritt, der neben dem Shop auch ein sepa­rat geführ­tes „Duft-​​Tagebuch“ beinhal­tet.

Seit kur­zem ver­strömt Aus Liebe zum Duft sogar seine eigene Note: „No. 1“ heißt die Krea­tion von Marc vom Ende. „Das ist ein leben­di­ger Duft, der sich ver­än­dert, sich ent­wi­ckelt auf der Haut. Er ent­fal­tet eine fri­sche Kopf­note, hat etwas Metal­li­sches im Her­zen und kommt in der Basis auf sei­nen wei­chen Kern“, schwärmt Wuchsa. Wobei der Name nicht unbe­dingt für den bes­ten, son­dern für den ers­ten in der Reihe steht, wie er betont. „Die ‚No. 2’ wird femi­ni­ner ausfallen.“

„Der per­fekte Duft ist die Suche nach dem hei­li­gen Gral“

Selbst einen Duft zu kre­ie­ren – das maßt sich Wuchsa trotz sei­nes pro­fun­den Fach­wis­sens und sei­ner über­bor­den­den Lei­den­schaft nicht an: „Wie jedes andere Hand­werk erfor­dert auch der Beruf eines Par­fü­meurs gründ­li­che Aus­bil­dung und lange Berufs­er­fah­rung. Die gro­ßen Meis­ter die­ser Zunft sind in der Lage, wahre Kunst­werke zu schaf­fen. Aber davon gibt es nicht viele.“ Seine Sache ist die Bera­tung der Duft­su­chen­den; den für Per­son und Anlass pas­sen­den aus dem Regal zu zie­hen, einen, „der die Per­sön­lich­keit unter­streicht und nicht über­tüncht.“ Auf den per­sön­li­chen Favo­ri­ten fest­le­gen mag er sich auf Anhieb nicht: „Leichte Unisex-​​Düfte – ich sage auch gerne gen­der­free – haben mir in der Regel zu wenig Cha­rak­ter“, grenzt er ein.

„Rose Poiv­rée von The Dif­fe­rent Com­pany trage ich bei­spiels­weise mit Vor­liebe. Aber die Suche nach dem per­fek­ten Duft ist die Suche nach dem hei­li­gen Gral“, weiß Wuchsa. Ein Suchen­der ist er den­noch geblie­ben. Zwei­mal im Jahr reist der Mann mit dem gol­de­nen Rie­cher nach New York, besucht die Mes­sen in Paris, Mai­land und Flo­renz, wodurch sein glo­ba­les Kon­takt­netz immer eng­ma­schi­ger wird. Und garan­tiert liegt schon bald wie­der etwas in der Luft…