6. November 2009

Stromberg — Staffel 4

Stromberg - Staffel 4Es ist die Erfolgs­ge­schichte eines Miss­er­folgs. „Strom­berg“ ist Kult und viel­fach aus­ge­zeich­net, aber kein Quo­ten­brin­ger. Allen­falls aus Image­grün­den sagt Pro­sie­ben zur vier­ten Staf­fel: „Läuft!“. Nicht ohne Grund gibt’s par­al­lel alle zehn Fol­gen als „Limited Edi­tion“ auf DVD (Brain­pool Home Enter­tain­ment/​Sony Music). Und der pein­lichste aller Vor­ge­setz­ten ist plötz­lich kei­ner mehr.

Als die Posi­tion des Gesamt­lei­ters der Abtei­lung Scha­dens­re­gu­lie­rung bei der Capi­tol Ver­si­che­rung vakant wird, weil Vor­stands­mit­glied Weh­meyer (Simon Licht) auf­steigt und Amts­in­ha­ber Becker (Lars Gärt­ner) nach­folgt, ist die Sache mit der Beför­de­rung so gut wie geritzt — bis Bernd Strom­berg (Chris­toph Maria Herbst) über die Küchen­af­färe stol­pert: Er schießt aus purem Über­mut gegen sei­nen Intim­feind, den Kan­ti­nen­chef (Pro­dro­mos Anto­nia­dis). Doch der ist nah ver­wandt mit einer Capitol-​​Oberen…

So fin­det sich der einst vom Res­sort­lei­ter Scha­dens­re­gu­lie­rung M bis Z zum Stell­ver­tre­ten­den Lei­ter Scha­dens­re­gu­lie­rung auf­ge­stie­gene Anti­pa­thie­trä­ger im tiefs­ten Fins­dorf wie­der, selbst­er­klär­tes „Juwel der Heide“. Und der Papa lei­tet fortan eine dörf­li­che Capitol-​​Filiale im abge­wrack­ten grauen Eck­haus mit den zwei leid­lich moti­vier­ten Mit­ar­bei­tern Achim Dörf­ler (Kai Malina) und der pol­ni­schen Büro­kraft Mag­da­lena Prell­witz (Ramona Kunze-​​Libnow).

Stromberg - Staffel 4 Und wäh­rend sich Wusel Ulf (Oli­ver K. Wnuk) und Stromberg-​​Nachfolgerin Tanja Steinke geb. Sei­fert (Diana Staehly) das Ja-​​Wort geben und der mut­ter­lose Bert­hold „Ernie“ Heis­ter­kamp (Bjarne I. Mädel) end­gül­tig depres­siv wird, ver­sucht der rück­lings im Gulag gelan­dete Käfer Bernd wie­der auf die Beine zu kom­men. Dank des viel­ver­spre­chen­den Büro-​​Blowjobs von Jen­ni­fer „Schirm­chen“ Schirr­mann (Milena Drei­ßig) hat Strom­berg aber guten Grund, sich trotz Straf­ver­set­zung wei­ter­hin im Köl­ner Büro­kom­plex sehen zu lassen.

Strom­berg erlebt sei­nen vor­läu­fi­gen tra­gi­schen Höhepunkt

Was haben wir’s ver­misst, das prustig-​​herausgepresste Hus­ten­la­chen hin­term Kin­der­schän­der­bärt­chen, Kra­watte lang­zie­hen und andere Unar­ten, das gol­dene Arm­kett­chen, die ange­bro­che­nen Sätze, die derb-​​genialen Sprü­che („Wie isses gelau­fen? Wie ist Sta­lin­grad gelau­fen?“) — unser aller Lur­chi eben!

Vor heik­len The­men wie übels­tem Mob­bing hat sich die Serie ja noch nie gedrückt, aber so schlimm war es sel­ten um die ans eng­li­sche Vor­bild „The Office“ ange­lehnte Mocku­men­tary mit ihrem augen­schein­li­chen Kamera­kon­zept „Pro­fes­sio­nel­ler Dilet­tan­tis­mus“ bestellt; Strom­berg erlebt sei­nen vor­läu­fi­gen tra­gi­schen Höhe­punkt, sogar Selbst­mord ist kein Tabu mehr. Autor Ralf Hus­mann ist dies­mal weit­aus bös­ar­ti­ger als bis­her, über­dreht den Rea­lis­mus noch stär­ker ins Absurde. Aber allein die durch einen Blick, eine bei­läu­fige Geste und die wohl­ge­setzte Pause ent­ste­hende Komik ist immer noch ein­ma­lig in der deut­schen Fernsehlandschaft!

Was Lur­chi auf dem Lande so schön mit „Inzest­hau­sen“ titu­lie­ren darf, ist in Staf­fel­länge ein herr­li­cher Abge­sang auf die pie­fige Pro­vinz mit ihren Feu­er­wehr­fes­ten und Schüt­zen­kö­ni­gen. Und die 310 Minu­ten enden auf eine Weise, die nahe­legt, dass die Büro­gra­phie auch ohne Quote (und viel­leicht im Kino?) in eine wei­tere Runde gehen könnte. Denn die Seri­en­fi­gur Strom­berg ist nicht nur bei der Capi­tol die „Werbe-​​Ikone“ schlechthin.