Punk-Erotik-Kalender 2010Karls­ruhe — Auch wenn vorne nicht mehr Pogo-​​Partei drauf­steht, steckt noch jede Menge Punk in die­sen 13 Kalen­der­blät­tern! Der Bun­des­wahl­lei­ter sprach den Anar­chis­ten im Zuge der jüngs­ten Bun­des­tags­wahl bekannt­lich die Ernst­haf­tig­keit ab; nun führt die Punk-​​Community Abge­fuckt liebt Dich die schöne Tra­di­tion der seit 2007 auf­ge­leg­ten alter­na­ti­ven Wand­ka­len­der fort.

Und so war in die­sem Jahr die gesamte abgefuckt.de-Community dazu auf­ge­ru­fen, sich mit mög­lichst wenig Tex­til in Pose zu wer­fen und ihre Motive vor­zu­le­gen. Obgleich’s somit ein rei­ner Mitglieder-​​Kalender gewor­den ist, haben die Damen ein­deu­tig die Ober­hand. Auf den Luxus einer sepa­ra­ten Gemischt– und einer Damen-​​Ausführung wie noch bei der 2009er Doppel-​​Auflage „Sex, Vio­lence & Vibra­tors“ müs­sen Lieb­ha­ber bunt­haa­ri­ger Nacke­deis die­ses Mal aller­dings verzichten.

Nach­dem die Aus­gabe 2008 noch nach „Future“ fragte, steht die aktu­elle unterm Motto „Gol­dene Zei­ten bre­chen an!“ und prä­sen­tiert sich im neuen Gelb-​​orange-​​Look erstaun­li­cher­weise weit weni­ger suff­ver­herr­li­chend als in den Vor­jah­ren; ja es geht gera­dezu sinnlich-​​ästhetisch los. Aber keine Sorge, Siff und Sudel kom­men nicht zu kurz, dafür sor­gen schon drei in Win­deln gepackte Big Babys im Juli. Neben den Fotos ent­hält das Pracht­stück im DIN-​​A4-​​Format auch wie­der alle rele­van­ten Ter­mine für ein orga­ni­sier­tes Punkerdasein.

Festival-​​Dates wie die Mai­fest­spiele zu Berlin-​​Kreuzberg oder das „Freak ‚n‘ Art“ in Karls­ruhe sind ebenso ver­merkt wie Geburts– und Todes­tage bewe­gungs­re­le­van­ter und ande­rer schrä­ger Köpfe, etwa Ex-​​Hosen-​​Trommler-​​Wölli und ehe­ma­li­ger Band-​​Anhang, die Ramo­nes, Bad-​​Religion-​​Vordenker Brett Gur­e­witz, Harald Juhnke, Sid Vicious, Jello Biafra, Joe Strum­mer, Farin Urlaub, Che Gue­vara, Henry Rollins oder Michael Jack­son, der künf­tig neben dem Tag sei­ner Weiß­wer­dung ein wei­te­res Mal geführt wird. Und natür­lich hat Kalender-​​Herausgeber Cris Koko­lo­res aus Karls­ruhe das Able­ben der Punk-​​Institution Wizo am 4. März 2005 ver­zeich­net, als Axel Kurth & Co. ihr fina­les Kon­zert im Stutt­gar­ter LKA spielten.

Doch die Auf­er­ste­hung der Legende kam zu uner­war­tet, um in der aktu­el­len Aus­gabe schon berück­sich­tigt wer­den zu kön­nen: Denn die Sin­del­fin­ger grei­fen mit neuem Bas­ser doch tat­säch­lich wie­der in die Sai­ten! Aber so unwür­dig wie das Trio mit „Anders­ter“ darf man auch nicht abtre­ten. Im Som­mer 2010 wer­den wir sehen, wie gol­den die Zei­ten wirk­lich sind.