17. Dezember 2009
Goldene Zeiten: Punk-Erotik-Kalender 2010
Karlsruhe — Auch wenn vorne nicht mehr Pogo-Partei draufsteht, steckt noch jede Menge Punk in diesen 13 Kalenderblättern! Der Bundeswahlleiter sprach den Anarchisten im Zuge der jüngsten Bundestagswahl bekanntlich die Ernsthaftigkeit ab; nun führt die Punk-Community Abgefuckt liebt Dich die schöne Tradition der seit 2007 aufgelegten alternativen Wandkalender fort.
Und so war in diesem Jahr die gesamte abgefuckt.de-Community dazu aufgerufen, sich mit möglichst wenig Textil in Pose zu werfen und ihre Motive vorzulegen. Obgleich’s somit ein reiner Mitglieder-Kalender geworden ist, haben die Damen eindeutig die Oberhand. Auf den Luxus einer separaten Gemischt– und einer Damen-Ausführung wie noch bei der 2009er Doppel-Auflage „Sex, Violence & Vibrators“ müssen Liebhaber bunthaariger Nackedeis dieses Mal allerdings verzichten.
Nachdem die Ausgabe 2008 noch nach „Future“ fragte, steht die aktuelle unterm Motto „Goldene Zeiten brechen an!“ und präsentiert sich im neuen Gelb-orange-Look erstaunlicherweise weit weniger suffverherrlichend als in den Vorjahren; ja es geht geradezu sinnlich-ästhetisch los. Aber keine Sorge, Siff und Sudel kommen nicht zu kurz, dafür sorgen schon drei in Windeln gepackte Big Babys im Juli. Neben den Fotos enthält das Prachtstück im DIN-A4-Format auch wieder alle relevanten Termine für ein organisiertes Punkerdasein.
Festival-Dates wie die Maifestspiele zu Berlin-Kreuzberg oder das „Freak ‚n’ Art“ in Karlsruhe sind ebenso vermerkt wie Geburts– und Todestage bewegungsrelevanter und anderer schräger Köpfe, etwa Ex-Hosen-Trommler-Wölli und ehemaliger Band-Anhang, die Ramones, Bad-Religion-Vordenker Brett Gurewitz, Harald Juhnke, Sid Vicious, Jello Biafra, Joe Strummer, Farin Urlaub, Che Guevara, Henry Rollins oder Michael Jackson, der künftig neben dem Tag seiner Weißwerdung ein weiteres Mal geführt wird. Und natürlich hat Kalender-Herausgeber Cris Kokolores aus Karlsruhe das Ableben der Punk-Institution Wizo am 4. März 2005 verzeichnet, als Axel Kurth & Co. ihr finales Konzert im Stuttgarter LKA spielten.
Doch die Auferstehung der Legende kam zu unerwartet, um in der aktuellen Ausgabe schon berücksichtigt werden zu können: Denn die Sindelfinger greifen mit neuem Basser doch tatsächlich wieder in die Saiten! Aber so unwürdig wie das Trio mit „Anderster“ darf man auch nicht abtreten. Im Sommer 2010 werden wir sehen, wie golden die Zeiten wirklich sind.
