21. Dezember 2009
Horst Schlämmer – Isch kandidiere!
18 Prozent hatten es laut Forsa-Umfrage für denkbar gehalten, bei der Bundestagswahl 2009 für Ocker zu votieren. Und tatsächlich wurden mancherorts Stimmen für Hape Kerkelings Kunstfigur gezählt, der mit seiner Horst Schlämmer Partei, kurz HSP, und dem Slogan „Yes Weekend“ in „Isch kandidiere!“ (Constantin Film) antritt, um Kanzler zu werden.
Gestellte und vorgeblich improvisierte Szenen mischen sich, wenn der grunzende Herrenhandtaschenträger im doornkaatumwehten Trenchcoat seinen Posten als stellvertretender „Grevenbroicher Tagblatt“-Chefredakteur verwaisen lässt und sich bei NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers erkundigt, wie man überhaupt eine Partei gründet, Rapper Bushido („Ist der Japaner?“) um musikalischen Support bittet und mit dem Grünen-Bundesvorsitzenden Cem Özdemir schon mal die Chancen einer „Fango-Koalition“ auslotet.
Angela Merkel, Ronald Pofalla und Ulla Schmidt verkörpert Kerkeling lieber gleich selbst, die Praktikantenstelle an seiner Seite bekommt Simon Gosejohann. Doch „Kein Pardon“ kennt die „Hasenpower für Deutschland“ nur in Bezug auf die Rolle des Glückshasen aus dem gleichnamigen Kinofilm von 1992, der diesmal als Wahlmaskottchen mitwinken darf. Um wie Sacha Baron Cohen mit „Borat“ und „Brüno“ zu punkten, ist Kerkelings Charakter längst viel zu bekannt.
Ein bisschen mehr Inhalt als das magere Wahlprogramm hätt’s dann schon sein dürfen, aber Schlämmer-Anhänger amüsieren sich auch über die lose aneinander geklemmten Momente. Und bei einem weisse Bescheid: Das echte TV-Duell zwischen Kanzlerin und Kandidat hatte weniger Unterhaltungswert.
