RTL Samstag Nacht - Das Beste aus Staffel 5Karl Ran­seier ist tot. Der wohl erfolg­lo­seste DVD-​​Sammler aller Zei­ten starb beim Ver­such, an prä­des­ti­nier­ter Stelle Platz für die letzte Staf­fel von „RTL Sams­tag Nacht“ (Tur­bine Medien/​Alive) zu schaf­fen. Denn über elf Jahre nach­dem das For­mat ein­ge­stellt wurde, ist sie nun voll­en­det: die Quin­to­lo­gie der ers­ten deut­schen Comedy-​​Show.

Nach sei­nem Mode­ra­to­ren­job bei der Tit­ten­pa­rade „Tutti Frutti“ wagte sich Hugo Egon Bal­der gemein­sam mit Jacky Dreks­ler ans Unter­fan­gen, „Satur­day Night Live“ auf deut­sche Ver­hält­nisse zu über­tra­gen. In Wigald Bon­ing, Olli Dittrich, Esther Schweins, Mirko Nont­schew, Tanja Schu­mann und Ste­fan Jür­gens fand er seine Stamm­mann­schaft, die das bis dato eher unbe­kannte Unter­hal­tungs­for­mat hier­zu­lande mit famo­sem Erfolg und jeder Menge Non­sens eta­blie­ren konnte. Als ach­ter Komi­ker darf nach Aus­stei­ge­rin Sabine Aul­mann und Ein­stei­ger Tommy Krapp­weis 1997 Mark Wei­gel ran und ersetzt Jür­gens als Anchor­man beim zu „GNN — Gute Nacht News“ umge­tauf­ten Nachrichtenblock.

Der wie­derum baut sei­nen mehr denn je umjohl­ten Ranseier-​​Nachruf zur Solo­num­mer aus, dazu gibt’s Schweins als Feld­busch im Sex­t­alk mit Verona und Schu­mann im „Piep“-Quiz als Bus­ter mit auf­ge­bla­se­nem Dolly-​​Dekollete, zum „Ah, Bäh oder Zäh“-Pausenfüller kommt der gewohnte Spät­sel­raß des um die gleich­falls frivol-​​verdrehten „Senen einer Zehe“ erwei­ter­ten „Ken­tu­cky schreit ficken“.

Harry Klein und Ste­phan Derrick tref­fen auf ihre tran­tü­ti­gen Eben­bil­der Fritz Wep­per und Horst Tap­pert, der „Spocht“ ver­spot­tet dies­mal mit Vor­liebe Franzi van Alm­sick und Mario Bas­ler, „Zwei Stühle, eine Mei­nung“ Rein­hold Mess­ner und Adolf „Adi“ Hit­ler, wäh­rend die letz­ten Fol­gen der genia­len Par­odie „Schrei­ne­makers ihre Schwes­ter TV“ lau­fen, sich die „Far Out“-Boys Pain und Splat­ter am extre­men Fern­be­die­ning, Tram­ping, Bil­ding, Sil­ves­te­ring, Ver­steck­spie­ling, Reise-​​nach-​​Jerusaleming und zum abso­lu­ten Höhe­punkt Extrem-​​Samstag-​​Nachting ver­su­chen, Ex-​​Bruder Gott­fried vor sich hin­mo­no­lo­gi­siert („Da gucken se, ne?“) und der „Märchen-​​Man“ dank Inge Mey­sels Zau­ber­ku­gel noch­mals einen Kurz­auf­tritt absolviert.

Als Gäste grü­ßen wie­der Bran­chen­schwer­ge­wichte wie Hella von Sin­nen, Die­ter Pfaff und Ott­fried Fischer; außer­dem dabei sind in „Das Beste aus Staf­fel 5″ Klaus Eber­har­tin­ger, Jan Josef Lie­fers, Richy Mül­ler, Hans Mei­ser, Tho­mas Ohr­ner, Lutz Rei­chert, Michael Lesch, Armin Rhode, Peter Loh­meyer, Lilo Wan­ders, Jörg Knör, Rufus Beck, Uwe Ochen­knecht, DJ Bobo, Jenny Elvers, Mark Kel­ler, Chris­toph Waltz und Die­ter Boh­len, der mit Blue Sys­tem („Anything“) als ein­zi­ger auch musi­ka­lisch ran darf sowie prak­tisch alle auf­stre­ben­den und schon wich­ti­gen deut­schen Come­di­ans die­ser Zeit von Ingo Appelt, Rüdi­ger Hoff­mann, Gaby Kös­ter, Roberto Capi­toni, Mar­kus Maria Pro­fit­lich bis Atze Schrö­der, die viel­fach ihre Kar­rie­ren als „Sams­tag Nacht“-Dauerbrenner zündeten.

In den letz­ten bei­den Jah­ren der Show hatte es immer wie­der Gerüchte über den Aus­stieg die­ses oder jenes Ensem­ble­mit­glieds gege­ben, womit die Mann­schaft auch öfters in ihren Num­mern koket­tiert; und trotz auf­ge­pepp­tem Vor­spann und fri­scher Stu­dio­ku­lisse sind im Rück­blick durch­aus Abnut­zungs­er­schei­nun­gen aus­zu­ma­chen. Doch als Jür­gens am 23. Mai 1998 zum Finale Grande in der 30. Folge ein ein­zi­ges Mal als erfolg­reichs­ter Engel aller Zei­ten in Ran­sei­ers Rolle schlüpft, Die Doo­fen „Time To Say Good­bye“ anstim­men und Simone Tho­malla nach der Zeug­nis­ver­gabe durch Piet Klo­cke die obli­ga­to­ri­schen Ver­ab­schie­dungs­worte spricht, geht nach fünf Jah­ren eine Erfolgs­ge­schichte zu Ende, ohne die unsere heu­tige Fern­seh­land­schaft wohl längst nicht so viel Spaß ver­ste­hen würde.