This Is ItBeim King Of Pop regiert der Kon­junk­tiv. Hätte Michael Jack­son am 25. Juni 2009 nicht abge­dankt, wäre das Mate­rial von den „This Is It“-Proben nur eine Behind-​​The-​​Scenes-​​Dreingabe zum Kon­zert­mit­schnitt der Lon­do­ner Mega-​​Shows gewe­sen, die seit letz­ten Som­mer über die Bühne gehen sollten.

„High School Musical“-Macher Kenny Ortega, der mit Jack­son nach „Dan­ge­rous“ und „History“ im Stap­les Cen­ter von Los Ange­les auch an der Kon­zert­se­rie gear­bei­tet hat, mon­tierte für „This Is It“ (Sony Pic­tures Home Enter­tain­ment) über 100 Stun­den akri­bi­scher Vor­be­rei­tung aus Micha­els letz­ten Wochen und Tagen begin­nend beim Cas­ting der Dance-​​Crew zu einem knapp zwei­stün­di­gen „Making Of“ an– und inein­an­der, das einen begna­de­ten Künst­ler zeigt, der unnach­gie­big am Come­back arbeitet.

This Is It Wenn­gleich die Lon­do­ner Pres­se­kon­fe­renz, auf der MJ im März 2009 nach zwölf Jah­ren Tour­pause etwas ver­stö­rend seine Wie­der­kehr ankün­digte, beschö­ni­gend zusam­men­ge­schnit­ten wurde, wider­spricht der Film jeg­li­chen Spe­ku­la­tio­nen um den kör­per­li­chen Zustand des 50-​​Jährigen. Er hin­ter­lässt einen zwar hage­ren, aber abso­lut agi­len Jacko und den letz­ten Ein­druck, dass der Moon­wal­ker den Auf­tritts­ma­ra­thon durch­aus bewäl­tigt hätte. 18 Tage vor der Pre­miere in der 02-​​Arena fällt ver­früht der Final Cur­tain: Michael Jack­son stirbt an einer Über­do­sis des Betäu­bungs­mit­tels Propofol.

Weil beim kon­zept­lo­sen Dreh natür­lich nie­mand daran gedacht hätte, dass aus die­sen Sze­nen jemals eine Kino­do­ku­men­ta­tion ent­ste­hen könnte, musste Ortega auf so etwas wie Dra­ma­tur­gie oder einen roten Faden ver­zich­ten. Den tra­gi­schen Men­schen hin­ter der kaput­ten Nase klam­mert der Film aus. Er beschränkt sich dar­auf, ein Musik­vi­deo, eine Hom­mage, eine Ver­göt­te­rung zu sein und stellt den Super­star, die Songs und sein unge­bro­che­nes Tanz­ta­lent in den Vordergrund.

Zu hören sind unter ande­rem die Grea­test Hits „Beat It“, „Black Or White“, „Bil­lie Jean“ und „Man In The Mir­ror“, zu „They Don’t Care About Us“ mar­schiert eine vir­tu­ell ver­viel­fachte futu­ris­ti­sche Sol­da­ten­ar­mada auf, die den Moves ihres Vor­tän­zer folgt; in einem ande­ren Hin­ter­grund­film spa­ziert Jacko als „Smooth Cri­mi­nal“ via Green­screen in einen Schwarzweiß-​​Streifen mit Rita Hay­worth und lässt sich von Hum­phrey Bogart durch ein Fens­ter jagen, um so auf der Bühne vor sei­nem gelieb­ten Publi­kum zu lan­den; „The Way You Make Me Feel“ spielt auf einem über­di­men­sio­nier­ten Gerüst vor Man­hat­tans Sky­line; auch sei­nen Jack­son Five macht er mit alten Film– und Foto­schnip­seln eine musi­ka­li­sche Lie­bes­er­klä­rung; bei „Thril­ler“ ent­stei­gen die Unto­ten dies­mal in 3D ihren Grä­bern; und schließ­lich wollte Jacko am Ende der Öko-​​Schnulze „Earth Song“ einen über­di­men­sio­nier­ten Schau­fel­la­der über die Bühne rol­len las­sen. „This Is It“ — eine pom­pöse, per­fekt durch­cho­reo­gra­fierte „Best Of“-Pop-Show. Die größte aller Zei­ten. Das wär’s gewesen.