25. März 2010
2012
Es ist „The Day After The Day After Tomorrow“. 2004 ließ das Spielbergle aus Sindelfingen erstmals die Welt untergehen, doch in Roland Emmerichs jüngster Prophezeiung ist das Inferno nicht hausgemachter Natur. Die Erde überhitzt und ihre Bewohner bauen Archen für die oberen Zehntausend. Denn der Stichtag naht.
The Master Of Desaster unter den Regisseuren hat bereits das Weiße Haus gesprengt, ließ New York von Godzilla zertrampeln und begrub die Vereinigten Staaten unter gewaltigen Schneemassen. Diesmal beruft er sich das für seinen Plot auf den Kalender der alten Maya — auch wenn die Wissenschaft dem Szenario widerspricht, dass die Erde am 21. Dezember „2012″ (Sony Pictures Home Entertainment) mit einem anderen Himmelskörper kollidieren wird.
Emmerich und Co-Autor Harald Kloser wählen für ihre Apokalypse ohnehin die Hypothese einer Erdkrustenverschiebung, die im Yellowstone Nationalpark ihren Anfang nimmt, wo der gescheiterte Schriftsteller und Ehemann Jackson Curtis (John Cusack) nichtsahnend ein Papa-Wochenende verbringt. Im Wettlauf gegen die Endzeit sind weite Landstriche bereits in Meer und Lavawogen versunken, als es ihm gelingt, ein Flugzeug zu kapern und sich mit seinen Kids, Ex-Ehefrau Kate (Amanda Peet) und deren Lover Gordon (Thomas McCarthy) vorübergehend in die sicheren Lüfte abzusetzen.
Drunten regiert immer noch ein schwarzer Präsident (Danny Glover) die USA, der währenddessen mit seinen Spezialisten um Stabschef Carl Anheuser (Oliver Platt) und Geologe Adrian (Chiwetel Ejiofor) debattiert, ob es rechtens war, die lebensrettenden Archen-Tickets ausschließlich jenen auszustellen, die es sich leisten können. Auch der spinnerte Verschwörungstheoretiker Charlie Frost (Woody Harrelson) weiß mehr als die übrigen sieben Milliarden; und obendrein, wie sich der Kollaps doch noch abwenden lässt.
Erdbeben, Vulkanausbrüche, Flutwellen — Emmerich setzt sein Publikum 158 Minuten mitten hinein ins beängstigende CGI-Epizentrum, stellt die Frage nach der Vereinbarkeit von Macht und Moral aus einer nicht unspannenden Warte und betont dabei Patriotismus und die übrigen amerikanischen Werte geradezu penetrant. Wieder konnte er sich nicht zur finalen Dekonstruktion der Schöpfung durchringen; dazu, den Planeten samt Menschheit abschmieren zu lassen. Aber weil’s der neuen Übermutter aller Katastrophenfilme mehr um Showeffekt denn Bestrafungsfantasie geht, leben wir die nächsten zwei Jahre gut mit der Quintessenz: Et hät noch immer jut jejang!
