11. März 2010

Alle Anderen

Alle Anderen Der erste gemein­same Urlaub wird für jedes Paar zur Nagel­probe. Bei Gitti (Bir­git Minich­mayr) und Chris (Lars Eidin­ger) ist das Glas nach 124 Minu­ten halb leer. Oder doch halb voll? Die Geschichte die­ser jun­gen Liebe und ihrer stink­nor­ma­len Ernüch­te­rung hat die aus Karls­ruhe stam­mende Maren Ade in ihrer zwei­ten Regie­ar­beit als Rah­men für Schau­spiel­kino von gro­ßem For­mat gewählt und mit „Alle Ande­ren“ (Pro­kino Home Enter­tain­ment) auf den „Ber­li­ner Film­fest­spie­len“ 2009 hit­zi­ges Flir­ren entfacht.

Wir ler­nen zwei Men­schen ken­nen, wie sie nur sein kön­nen, wenn sie alleine sind: geheime Rituale, Albern­hei­ten, uner­füllte Wün­sche und Macht­kämpfe. Die unver­hoffte Begeg­nung mit Hans (Hans-​​Jochen Wag­ner) und sei­ner Sana (Nicole Marischka) setzt der abge­schie­de­nen Zwei­sam­keit ein Ende und oben­drein die Bezie­hung des unglei­chen Paa­res außer Takt.

Denn diese Ande­ren sind nicht nur erfolg­rei­cher, son­dern ver­ste­hen es zudem, die kon­ven­tio­nelle Mann-​​Frau-​​Rollenverteilung hin­ter einer moder­nen Fas­sade zu ver­ste­cken. Und nicht nur Chris’ Selbst­bild bekommt bald mas­sive Risse: Er beginnt sich an sei­nem ehe­ma­li­gen Stu­di­en­freund Hans und sei­ner schwan­ge­ren Frau zu ori­en­tie­ren und ver­sucht, sei­ner eigen­sin­ni­gen Freun­din Gren­zen zu zei­gen, wodurch Git­tis Ver­trauen in den Freund zutiefst erschüt­tert wird. Ihr Ver­such, sei­nem neuen Wunsch­bild zu ent­spre­chen, ent­wi­ckelt sich vom Spiel mit einer neuen Rolle zum stil­len Kampf gegen sich selbst, der auch die Bezie­hung zum Opfer haben könnte.

Auto­ren­fil­me­rin Ade, bereits 2005 mit ihrem unter ande­rem in Karls­ruhe gedreh­ten Erst­lings­werk „Der Wald vor lau­ter Bäu­men“ auf­ge­fal­len, erzählt mit viel Sinn und Ver­stand fürs Kine­ma­to­gra­phi­sche eine intime Lie­bes­ge­schichte der Gene­ra­tion Ü30, die in die Tie­fen einer Bezie­hung ein­taucht und sich dabei ganz aufs berüh­rende Spiel der thea­ter­er­fah­re­nen Haupt­dar­stel­ler ver­lässt. Ihre „Sze­nen (vor) einer Ehe“ wur­den mit dem „Sil­ber­nen Bären“ für Bir­git Minich­mayr und dem „Gro­ßen Preis“ der „Berlinale“-Jury aus­ge­zeich­net. Denn hier passt ein­fach alles. Von der Part­ner­wahl der Prot­ago­nis­ten mal abgesehen.