Wickie und die starken MännerBully sucht die star­ken Män­ner“ und fin­det seine Pira­tes Of The Bava­rian ganz unkon­ven­tio­nell, aber wer­be­wirk­sam via TV-​​Castingshow. Denn für seine fünfte Regie­ar­beit hat Michael Her­big ein­mal mehr einen Seri­en­hel­den der eige­nen Kind­heit auf die Kino­lein­wand gebracht. Und Wickie tauscht nach 78 Zei­chen­trick­fol­gen Anime– gegen Realgestalt.

Als des­sen Dorf Flake vom schreck­li­chen Sven (Gün­ther Kauf­mann) und sei­nen dra­chen­mas­ken­tra­gen­den Scher­gen (Chris­toph Maria Herbst und Jür­gen Vogel) über­fal­len wird, sehen sich alle bis auf Wikinger-​​Chef Hal­var (Wal­de­mar Kobus) ihrer liebs­ten Schätze beraubt: den Stamme­s­hal­tern. Und so ist der zart besai­tete Wickie (Jonas Häm­merle) gegen den Wil­len sei­nes Vaters frei­lich an Bord, als Haudrauf-​​Verfechter Hal­var und sein gehörn­tes Gefolge um die stän­dig strei­ten­den Tjure (Nic Romm) und Snorre (Chris­tian A. Koch), den wei­sen Urobe (Olaf Krätke), den immerzu ent­zück­ten Gorm (Mike Maas), Barde Ulme (Patrick Rei­chel) und den gut­mü­ti­gen, dicken Faxe (Jörg Mou­kad­dam) Segel his­sen, um ihren Nach­wuchs zurück­zu­ho­len. Doch alle müs­sen dar­auf ver­trauen, dass dem klu­gen Knirps das Näs­chen juckt bis es Sterne sprüht!

Aus­ge­rech­net mit sei­nen Lai­en­dar­stel­lern hat Bully beim kleins­ten ange­fan­gen ganz fette Beute gemacht! Dazu kommt eine gera­dezu luxu­riöse Aus­stat­tung, die bis zu (den Figu­ren in nichts nach­ste­hend) einem detail­liert abge­paus­ten Wikin­ger­dorf und segel­fä­hi­gen Dra­chen­schiffe reicht, die im baye­ri­schen Wal­chen­see und vor der Küste Mal­tas zu Was­ser gelas­sen wur­den. Und der Fil­me­ma­cher Her­big besitzt die Gabe, dar­aus tolle Bil­der zu ziehen.

Die schlichte Geschichte ent­spricht den „Wickie“-Altersgenossen; und obwohl der von ihm selbst ver­kör­perte Erzäh­ler Ramon Mar­ti­nez Con­gaz vom spa­ni­schen Depe­schen­dienst mit sei­nem Bully-​​typischen Humor dem Aben­teuer gele­gent­lich in die Parade fährt, las­sen sich auch große Film­freunde vom 87-​​minütigen Gesche­hen gerne gefan­gen neh­men: Der Publi­kums­sie­ger beim „Baye­ri­schen Film­preis“ konnte auch einen „Bambi“ in der Kate­go­rie „Film natio­nal“ abräumen.

Erklä­ren kann man den über­bor­den­den Erfolg ange­sichts sei­ner bis­lang meist mit­tel­präch­ti­gen Filme „Erkan & Ste­fan“, „Der Schuh des Manitu“, „T(r)aumschiff Sur­prise“ und „Lissy und der wilde Kai­ser“ viel­leicht nicht. Aber dass Bully in puncto Zuschau­er­zah­len nach „Wickie“ (Con­stan­tin Film) mehr denn je zu den ganz star­ken Män­nern des deut­schen Kinos gehört, muss man nun wirk­lich nie­man­dem mehr unter die Nase reiben.