8. April 2010
Die Päpstin
Die katholische Kirche zieht es bis heute vor, Unangenehmes zu vertuschen statt sich auseinanderzusetzen. Und so werden wir wohl nie erfahren, wie viel von der Legende um „Pope Joan“ wahr ist. In Donna W. Cross’ Bestseller von 1996 existierte jene Frau, die als Papst Johannes Anglicus im neunten Jahrhundert die Geschicke der Katholiken lenkt, Reformen einleitet; und deren Name aus den Geschichtsbüchern getilgt wurde.
Bereits in jungen Jahren lehnt sie sich auf gegen den vorbestimmten eingeschränkten Weg als Frau, lernt lesen und schreiben. Während ihr Ziehvater und späterer Geliebter, der Edelmann Gerold (David Wenham), in den Krieg reitet, tritt Johanna als Mann verkleidet ins Benediktinerkloster ein. Sie wird Arzt, geht nach Rom und steigt in der Gunst des Pontifex (John Goodman), bis sie selbst auf dem Heiligen Stuhl sitzt – und ein Kind erwartet.
Sönke Wortmann, der anstelle des vom Projekt wieder abgezogenen Volker Schlöndorff bei „Die Päpstin“ (Constantin Film) Regie führen durfte, konnte für sein bildgewaltiges Halbhistorienepos vier „Lola“- Nominierungen verbuchen, darunter die Kategorien „Szenenbild“ und „Kostüme“, und tut dafür nicht viel mehr, als 556 Seiten in zweieinhalb Stunden querzulesen. Eine fahrlässige Sünde auf Hollywood-Niveau.
