21. Mai 2010
Das Wunder von Bern
„Spuilst du aach oder redst du bloß?“ Er hat schon damals nur drüber geredet und ist genau deshalb eine WM-Legende: Radioreporter Herbert Zimmermann. Und während Jogis Jungs in Südafrika dem vierten Stern hinterherjagen, zeigt Sönke Wortmanns neu aufgelegter Spielfilmblick in die Sportgeschichte, wie’s im Idealfall laufen kann.
„Schäfer nach innen geflankt. Kopfball — abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen — Rahn schießt — Tor! Tor! Tor! Tor!“ und „Aus, aus, aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister! Schlägt Ungarn mit 3:2 Toren im Finale in Bern!“ Jeder kennt diese emotionsgeladenen Ausrufe, die 1954 über den Äther tönten. Man war wieder wer.
Und weil Wortmann in seiner Verfilmung des „Wunders von Bern“ (Senator Home Entertainment) mit wenig Unvorhersehbarem dienen kann, dichtet er den Kampf des elfjährigen Matthias Lubanski (Louis Klamroth) um die Liebe seines vom Weltkrieg zerrütteten Vaters (Peter Lohmeyer) in die Geschichte von Sepp Herberger (Peter Franke) und seinen Fußballgöttern Fritz und Ottmar Walter (Knut Hartwig und Simon Verhoeven), Hans Schäfer (Martin Bretschneider), Horst Eckel (Holger Dexne), Toni Turek (Jo Stock), Werner Liebrich (Andreas Barth), Karl Mai (Jan Holland), Werner Kohlmeyer (Kai Schäfer), Max Morlock (Tobias Hartmann), Jupp Posipal (Sylvester Pezena) und Helmut Rahn (Sascha Göpel).
„Der Boss“ ist Matthias’ Vorbild. Den leiblichen Papa hat er, das Ergebnis des letzten Heimaturlaubs, noch nie gesehen, bis er am Essener Bahnsteig auf einen Zug mit Spätheimkehrern wartet. Seinen dramaturgischen Alleingang vertändelt Wortmann; für den Wandel vom fiesen Tyrannen zur liebevollen Vaterfigur genügt eine ordentliche Ansprache von Mutter Lubanski.
Großer Sport sind dafür die amüsanten Anekdoten (wie etwa die Entstehung der Fußballweisheit „Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten“) und natürlich die furios nachgeahmten Farbbilder mit ihrem unverfälschten 50er-Jahre-Zeitgeist. Entscheidend is’ schließlich nach wie vor aufm Platz.
