Das Wunder von Bern„Spuilst du aach oder redst du bloß?“ Er hat schon damals nur drü­ber gere­det und ist genau des­halb eine WM-​​Legende: Radio­re­por­ter Her­bert Zim­mer­mann. Und wäh­rend Jogis Jungs in Süd­afrika dem vier­ten Stern hin­ter­her­ja­gen, zeigt Sönke Wort­manns neu auf­ge­leg­ter Spiel­film­blick in die Sport­ge­schichte, wie’s im Ide­al­fall lau­fen kann.

„Schä­fer nach innen geflankt. Kopf­ball — abge­wehrt. Aus dem Hin­ter­grund müsste Rahn schie­ßen — Rahn schießt — Tor! Tor! Tor! Tor!“ und „Aus, aus, aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutsch­land ist Welt­meis­ter! Schlägt Ungarn mit 3:2 Toren im Finale in Bern!“ Jeder kennt diese emo­ti­ons­ge­la­de­nen Aus­rufe, die 1954 über den Äther tön­ten. Man war wie­der wer.

Und weil Wort­mann in sei­ner Ver­fil­mung des „Wun­ders von Bern“ (Sena­tor Home Enter­tain­ment) mit wenig Unvor­her­seh­ba­rem die­nen kann, dich­tet er den Kampf des elf­jäh­ri­gen Mat­thias Lub­an­ski (Louis Klam­roth) um die Liebe sei­nes vom Welt­krieg zer­rüt­te­ten Vaters (Peter Loh­meyer) in die Geschichte von Sepp Her­ber­ger (Peter Franke) und sei­nen Fuß­ball­göt­tern Fritz und Ott­mar Wal­ter (Knut Hart­wig und Simon Ver­hoeven), Hans Schä­fer (Mar­tin Bret­schnei­der), Horst Eckel (Hol­ger Dexne), Toni Turek (Jo Stock), Wer­ner Liebrich (Andreas Barth), Karl Mai (Jan Hol­land), Wer­ner Kohl­meyer (Kai Schä­fer), Max Mor­lock (Tobias Hart­mann), Jupp Posi­pal (Syl­ves­ter Pezena) und Hel­mut Rahn (Sascha Göpel).

„Der Boss“ ist Mat­thias‘ Vor­bild. Den leib­li­chen Papa hat er, das Ergeb­nis des letz­ten Hei­mat­ur­laubs, noch nie gese­hen, bis er am Esse­ner Bahn­steig auf einen Zug mit Spät­heim­keh­rern war­tet. Sei­nen dra­ma­tur­gi­schen Allein­gang ver­tän­delt Wort­mann; für den Wan­del vom fie­sen Tyran­nen zur lie­be­vol­len Vater­fi­gur genügt eine ordent­li­che Anspra­che von Mut­ter Lubanski.

Gro­ßer Sport sind dafür die amü­san­ten Anek­do­ten (wie etwa die Ent­ste­hung der Fuß­ball­weis­heit „Der Ball ist rund und ein Spiel dau­ert 90 Minu­ten“) und natür­lich die furios nach­ge­ahm­ten Farb­bil­der mit ihrem unver­fälsch­ten 50er-​​Jahre-​​Zeitgeist. Ent­schei­dend is‘ schließ­lich nach wie vor aufm Platz.