Wasser und SeifeSelbst die meis­ten Doku­men­tar­fil­mer inter­es­sie­ren sich eher für die Aus­nahme. Susan Gluth wählt die Regel. Ihre Hel­din­nen der Arbeit malo­chen Tag um Tag als unge­lernte Kräfte in einer ange­jahr­ten Wäsche­rei im Ham­bur­ger Stadt­teil Flott­bek an Wasch­ma­schi­nen, Trock­nern, Bügel­ei­sen und Man­geln. Das Wuch­ten voll­ge­so­ge­ner Laken ist ein ech­ter Kno­chen­job: Es rat­tert, dampft und zischt und lärmt, sti­ckige Hitze herrscht vor. Der Ver­dienst dage­gen spär­lich — zum Leben zu wenig, zum Ster­ben zu viel.

Dem Chef der Tex­til­pflege Utecht mag man aus­nahms­weise fast kei­nen Vor­wurf machen; er „würde gerne“, klagt aber über einen Markt, der ein­fach nicht mehr her­gibt. Seit 20 Jah­ren fährt Monika Schück­her mit Bus und Bahn stun­den­lang hin und am Abend wie­der her, damit ihr am Monats­ende 150 Euro blei­ben. Das Ren­ten­ein­tritts­al­ter dürfte sie hin­ter sich haben.

Dass ihre Kol­le­gin­nen Tat­jana Beth und Gerda Fran­zen auch nicht bes­ser dran sind, wird klar, wenn die Kamera den drei Stun­den­löh­ne­rin­nen bis in die eige­nen vier Wände folgt, wo sie ohne zu jam­mern von schwie­ri­gen Tren­nun­gen und beschei­de­nen Träu­men berich­ten. Dass es sich um den elter­li­chen Betrieb der Fil­me­ma­che­rin han­delt, kommt der Sache zugute: Man kennt sich und erspart sich nichts.

Der Zuschauer nimmt beglei­tet vom Spiel Nils Koppruchs, bekannt als Stimme der Band Fink, mit Bewun­de­rung und Ver­blüf­fung Teil an die­sen immerzu respekt­vol­len Begeg­nun­gen zwi­schen „Was­ser und Seife“ (WTP Inter­na­tio­nal), Spa­zier­gang und Bügel­brett, für die Gluth 2009 der „Nord­deut­sche Film­preis“ ver­lie­hen wurde – die aber doch so scho­nungs­los authen­tisch sind, dass man sich genö­tigt fühlt, den beschei­den hoff­nungs­vol­len Prot­ago­nis­tin­nen in einem unbe­ob­ach­te­ten Moment neben der Hoch­ach­tung noch ein klein wenig Mit­leid zuzustecken.