Blumentopf - "Wir"Sie brach­ten mit der „Rapor­tage“ 2006 den Flow in die Fuß­ball­be­richt­er­stat­tung. Und auch die­ser Südafrika-​​Tage stim­men uns die Frei­sin­ger auf den gro­ßen Kick ein, an des­sen Fir­ma­ment der vierte Stern steht. Von vorn bis hin­ten mann­schaft­lich geschlos­sen prä­sen­tiert sich schon mal das sechste Album vom Topf: „Wir“ (Vir­gin/​EMI).

Nach dem instrumental-​​kraftlosen Vor­gän­ger wird die neue „Musik­ma­schine“ über­ra­schend von Schlag­zeug– und Gitar­ren­spiel am Lau­fen gehal­ten: rough und kan­tig, die Blumentopf-​​Beat-​​Schemata sind wie immer abso­lut g’schmeidig, geben sich den Rap aber mit ordent­lich Punkat­ti­tüde! Dazu kom­men wie­der Lyrics direkt ausm Bauch und doch ist beim Topf jedes ein­zelne Wort genau durchdacht.

Statt des gesampelt-​​gescratchten „Fuck The Sys­tem“ pro­kla­miert der Opener heuer den „Sys­tem­fuck“ — die ulti­ma­tive Party-​​People-​​Uptempo-​​Kater-​​Nummer für den Mor­gen nach dem sams­täg­li­chen Absturz mit anschlie­ßen­dem Blue­screen. „Sol­ala“ star­tet nicht nur wie ein Fanta-​​Vier-​​Klon und bei „Nerds“ erklä­ren Cajus, Holun­der, Roger, Sepa­lot und Schu mit viel Selbst­iro­nie, warum bei ihnen die dicken Glä­ser zum Look gehörn.

Eben­falls her­aus­ra­gend bei die­ser abso­lut zuver­läs­si­gen Zusam­men­stel­lung: das „Fens­ter zum Berg“. Sel­ten hat baye­ri­sche Blas­mu­sik einen der­ar­ti­gen funky Groove bewie­sen wie bei die­sem HipHop-​​Defiliermarsch zwi­schen Gip­fel­stür­mung, Eltern­liebe und Mit­tel­meer. Die Sin­gle­aus­kopp­lung „Wir“ hat sich mitt­ler­weile auch in Weltmeister-​​Form als Mitgröhl­num­mer durch­ge­setzt und „Super ein­fach schwie­rig“ tritt allen Zau­de­rern kräf­tig in den Arsch.

Doch bei aller musi­ka­li­schen Fri­sche und dem teils schon ziem­lich genia­len Wort­witz — so rich­tig nach­hal­tig waren die Geschich­ten der fünf Sto­ry­tel­ler bis­lang noch nicht. Dann kommt die Susi. Mit ihr zie­hen Flo­rian Schus­ter und seine Ya-​​ha!–Part­ne­rin Janna Won­ders wie frü­her durch die Clubs und erzäh­len die trau­rige Mär von der schö­nen Hülle mit dem kaput­ten Kern („Sie tanzt die Nächte durch“).

Hän­gen bleibt nach vier Jah­ren Vor­be­rei­tung (neben Baggy Pant und Base­ball­kappe) auch ohne Dauer­tief­gang ein neues „Wir“-Gefühl; und am 1. Okto­ber star­tet ja schon wie­der der „Bun­des­vi­sion Song Con­test“, bei dem dies­mal die Baju­wa­ren ihr Bun­des­land ver­tre­ten dür­fen. Und das ganz sicher auch ohne Man­fred mustergültig.