24. Juni 2010

Tannöd

Tannöd„Tot, tot, tot — sie sind alle tot!“ Ver­fil­mun­gen von Best­sel­lern sind kein leicht zu lösen­der Fall. Und Andrea Maria Schen­kel hat es mit ihrem aus 39 knap­pen Abschnit­ten beste­hen­den Kri­mi­nal­ro­man über die von der Spitz­ha­cke erschla­gene Bau­ers­fa­mi­lie Dan­ner Regis­seu­rin Bet­tina Oberli beson­ders kniff­lig gestaltet.

Als zwei Jahre spä­ter die größ­ten­teils von ihr erdachte Kath­rin (Julia Jentsch) ins Dorf kommt, ist der Täter noch immer nicht gefun­den. Bald erkennt sie hin­ter dem Netz aus Schwei­gen tiefe Schuld im Dorf. Ein­zig Traudl Krie­ger (Monica Bleib­treu in ihrer letz­ten Rolle), Schwes­ter der ermor­de­ten Magd, legt immer wie­der den Fin­ger in die Wunde.

Und poten­zi­elle Delin­quen­ten gibt’s man­che; war doch der alte Dan­ner (Vitus Zep­li­chal) nicht nur ein Tyrann und Geiz­hals, der es sich mit jedem in der Umge­bung ver­scherzt hatte. Auf dem Hof hauste die Sünde: Die Kin­der sei­ner Toch­ter Bar­bara (Bri­gitte Hob­meier) sol­len auch von ihm gewe­sen sein. Und die Bewoh­ner mut­ma­ßen hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand, dass noch so man­cher Danner-​​Bastard unwis­sent­lich herumläuft.

Das Drama wiegt so dicht wie urwüch­si­ger Tan­nen­wald stän­dig zwi­schen den Zeit­ebe­nen, dun­kels­tes Blau umgibt die Ver­gan­gen­heit, etwas kräf­ti­ger an Farbe setzt sich die Gegen­wart ab. Oberli ver­legt die wah­ren Bege­ben­hei­ten ums Jahr 1922 auf dem baye­ri­schen Gehöft Hin­ter­kaif­eck in die spä­ten 50er und beschränkt sich in ihrem „Tannöd“ (Con­stan­tin Film) nicht auf den Stoff als Krimi, son­dern zeich­net eine ein­dring­li­che Gesell­schafts­stu­die, die des Fal­les Lösung am Ende unter rei­nem Schnee ver­schwin­den lässt.