GentlemanKarls­ruhe — Drei Män­ner mit Hut zogen zum kos­ten­lo­sen „Fest“-Abschluss am Sonn­tag noch­mals jede Menge Masse in die Günther-​​Klotz-​​Anlage: Char­lie Wins­ton, das John But­ler Trio und Gent­le­man.

Die Karls­ru­her Le Grand Uff Zaque haben sich mit ihren schmis­si­gen Clubmusik-​​Rhythmen und dem pseu­do­f­ran­zö­si­schen Charme den Sprung von der Zelt– auf die Haupt­bühne red­lich ver­dient, Char­lie Wins­ton eröff­net um halb sechs die Hutträger-​​Parade, krönt sei­nen anschlie­ßen­den Singer-​​Songwriter-​​Auftritt mit „Like A Hobo“ — und dann wird’s rich­tig interessant.

Unge­wohnt ist der Anblick ohne Dre­ad­locks immer noch; außer­dem schart der Namens­ge­ber John But­ler seit dem ver­gan­ge­nen Jahr ein neues Duo um sich: Byron Lui­ters (Bass) und Nicky Bomba (Schlag­zeug). Mit sei­ner Resonator-​​Gitarre weiß sich But­ler Gehör zu ver­schaf­fen. Der Vir­tuose bear­bei­tet sie aus allen Lagen, greift sich aber gefühlt alle zwei Songs ein ande­res Instrument.

Mit am beein­dru­ckends­ten ist sicher sein Lapsteel-​​Spiel, wenn er die Stahl­sai­ten mit der Gitarre auf den Ober­schen­keln lie­gend anschlägt. Der Hügel fei­ert die Bindestrich-​​Mischung aus Blues, Coun­try, Reg­gae, Funk, Soul, Roots und Rock zwi­schen „Used To Get High“ und „Close To You“ schnell mit und bekommt zum Höhe­punkt bei „Funky Tonight“ eine Rhyth­mus­or­gie aus allem gebo­ten, was an Schlag­werg auf der Bühne steht.

Ganz still wird es dann bei Gent­le­man: Nach kur­zem musi­ka­li­schen Intro betritt Til­mann Otto zusam­men mit sei­nen bei­den Vorgänger-​​Formationen kurz nach 21 Uhr die Haupt­bühne und bit­tet um eine Schwei­ge­mi­nute für die „Love Parade“-Todesopfer von Duis­burg. 55.000 Besu­cher hal­ten sich zu die­sem Zeit­punkt nach offi­zi­el­len Anga­ben im Hügel­be­reich auf — nur 1.000 mehr als Tags zuvor, doch die Masse fühlt sich wesent­lich dich­ter an. Und sie schweigt; kaum ein Wort ist zu vernehmen.

Das Bedroh­li­che, das bei genaue­rem Nach­den­ken auch von ihr aus­geht, ver­fliegt schnell. Man schwingt bedäch­tig mit, als Gent­le­man bei sei­nem zwei­ten „Fest“-Besuch mit dem ers­ten Major-​​Album und der frisch for­mier­ten Begleit­band The Evo­lu­tion im Rücken ein Reggae-​​Set ohne Höhen und Tie­fen hin­legt, mit „Supe­rior“, sei­nem Hit von 2004, stei­gert er das Tempo eines über­ra­schungs­lo­sen Auf­tritts, der sich in der zwei­ten Hälfte weni­ger roots­las­tig zeigt und mit „To The Top“ und dem har­ten „Leave Us Alone“ sogar noch­mal Schwung in die Sache bringt. Nach ein paar Zei­len „Redemp­tion Song“ ist Schluss. Bless Ya, „Fest“ 2010!