Jan DelayKarls­ruhe — Zu einem sel­ten ver­reg­ne­ten „Fest“-Auf­takt — erst­mals nicht mehr umsonst, aber immer noch drau­ßen — ström­ten am Frei­tag­abend neben den Trop­fen auch die Besu­cher. Und das lag vor­nehm­lich an zwei Nobel­ka­ros­sen aus dem Musik-​​Business: Die im Part­ner­look vor­fah­ren­den Miss Plat­num und Jan Delay lie­ßen die Dis­co­ku­gel überm Hügel kreisen.

Zuvor hatte die Local-​​Fraktion um die Prog-​​Rocker Maree­field, die Stoner-​​Psychedelia-​​Truppe Elec­tro Baby und die Gewin­ner des „New Bands Fes­ti­vals“ 2009, Sonic Avalan­che, mit ihrem Indie-​​Pop die undank­bare Auf­gabe, das Publi­kum vor die Bühne und damit ins Nass zu locken.

Dann lädt eine erblon­dete Miss Plat­num zur rumä­ni­schen Hoch­zeit: deftig-​​kalorienreiche Kost auf und wilde (Regen-)Tänze vor der Bühne. Wer kei­nen grü­nen Unter­stand fin­det, spannt den bun­ten Schirm zu volks­mu­si­ka­li­schen Süd­ost­eu­ro­pasounds ver­quirlt mit HipHop-​​Beats und R’n’B. Flan­kiert von zwei Balkan-​​Sisters, Bass, Drums, Per­cus­sion und einem Brass-​​Trio beste­hend aus Trom­pete, Tuba und Posaune trotzt die rumä­ni­sche Ber­li­ne­rin mit „Give Me The Food“, dem Kate-​​Bush-​​Cover „Babooshka“, „Mer­ce­des Benz“ oder „Why Did You Do It“ bes­tens gelaunt dem Karls­ru­her Schmud­del­wet­ter; zuerst im pin­ken Kleid mit schräg sit­zen­dem Hüt­chen, dann im Tür­kis­far­be­nen samt wei­ßem Umhang, aber immer schön schrill und goldbehängt.

Ein „Mer­ce­des Dance“ der E-​​Klasse

Der Style spielt bekannt­lich auch beim Top-​​Act des Abends eine gewich­tige Rolle und fast könnte man mei­nen, sie hät­ten sich abge­spro­chen: Jan Delay aka Jan Phil­lip Eiß­feldt wie üblich im dun­kel­rosa Hemd, tür­ki­s­an­ge­hauch­tem Sakko zum wei­ßem Hut, Kra­watte und Son­nen­brille lie­fert dem „Fleisch­berg“ — wie er die mitt­ler­weile dicht gedrängte Ansamm­lung auf dem Mount Klotz getauft hat — samt sei­ner Kombo Disko No.1 einen „Mer­ce­des Dance“ der E-​​Klasse: e wie extrem-​​gut! Selbst der Regen hat sich mitt­ler­weile ver­zo­gen und scheint begeis­tert inne­zu­hal­ten, wenn der Ham­bur­ger am edel­me­tal­ver­knauf­ten Stock los­nä­selt und zeigt, dass er beim „Fest“ um ein Viel­fa­ches bes­ser auf­ge­ho­ben ist, als auf der Alter­na­s­tage von „Rock am Ring“.

Funk, Disco, Soul, Par­tytime — das Publi­kum fei­ert die Truppe, aus der sich im Laufe des Auf­tritts die Delay­dies, seine drei Back­ground­sän­ge­rin­nen, las­ziv in den Vor­der­grund shaken dür­fen, von der ers­ten Num­mer an. Er dankt’s derbe mit flot­ten Sprü­chen, den Hits „Tür­lich, tür­lich“, „Large“, „Feuer“, „Oh Jonny“ und „Klar“. Kurz­wei­lig ist der Gig auch wegen der Mitmach-​​Action wie dem Reise-​​Nach-​​Jerusalem-​​Spielchen „Freeze“, unter­legt mit MC Ham­mers „Can’t Touch This“.

Auch fürs Beginner-​​Medley — jener Drei­er­truppe mit der er als Eizi Eiz in den 90ern durch­ge­star­tet ist — bedient sich Jan Delay diver­ser Fremd­kom­po­si­tio­nen und lässt zu „Ever­y­body“ von den Back­street Boys, Ushers „Yeah!“ und „This Is How We Do It“ von Mon­tell Jor­dan die „Füchse“ ausm Bau — bis das Hemd ein ein­zi­ger Schweiß­fleck ist und er sein Sakko wie­der über­strei­fen muss. Karls­ruhe ist klargemacht.