Umbra Et Imago - "Opus Magnus"Irgendwo zwi­schen Schre­ckens­ge­stalt und Gali­ons­fi­gur wan­delt Mozart, DJ, Betrei­ber des Locco Barocco in Gröt­zin­gen, das unterm Namen Kul­tur­ruine vie­len Nei­gun­gen Raum gege­ben hat, und Front­mann der Karls­ru­her For­ma­tion Umbra Et Imago.

Lang war nichts mehr vom Aus­bund des deut­schen Erotik-​​Goth-​​Rocks zu hören, jetzt setzt das Quin­tett sechs Jahre nach „Memento Mori“ zur abschlie­ßen­den Ver­nei­gung an: Das sich mal nicht ums Schul­la­tein sche­rende „Opus Magnus“ (C+P Pla­net Vampire/​Indigo) soll das letzte Studio-​​Release bleiben.

Und dann nicht ein pro­vo­kan­tes SM-​​Spielchen! Das Thema Sexua­li­tät ist an-​​scheinend erschöpft. Dafür die Opi­um­fas­sung von Bob Mar­leys „Is This Love“ und „Wan­de­rers Nacht­lied“, eine Schubert-​​Vertonung des gleich­na­mi­gen Goethe-​​Gedichts, das hier ratz­fatz als lupen­reine Punk-​​Nummer durch­geht; die Sin­gle „Ohne Dich“ tönt dage­gen so lie­be­voll trau­rig, wie sich das für einen ech­ten Grufti gehört.

Und zwi­schen diese phi­lo­so­phi­schen Anklänge und melan­cho­li­schen Wei­sen grollt Mozart seine bos­haf­ten Pre­dig­ten („Sonn­tags­an­dacht“), Scha­fott­gänge an der Seite von Electro-​​Beigaben und ton­nen­schwe­ren Gitar­ren („Koka­in­song“, „Per­fect Baby“), gele­gent­lich domi­niert von Made­leine Le Roys Gesang, Celli und Chö­ren („Ode an die Musik“, „Hexxenhammer“).

Das Hobby Musik kommt zwar zu teuer, ans Auf­hö­ren denkt der gebür­tige Mün­che­ner aber offen­bar nicht: Live­shows soll’s wei­ter­hin geben. Alles andere wäre nach die­ser Groß­tat auch ziem­lich sadomasochistisch.