Switch Reloaded Vol. 4Für Fern­seh­sen­der ist ein sol­ches For­mat eigent­lich die blanke Selbst­kan­ni­ba­li­sie­rung. Für den vom mit­un­ter grot­ten­schlech­ten Pro­gramm ent­nerv­ten Zuschauer dage­gen mutet das Kon­zept, von einem Kanal in den nächs­ten zu zap­pen, um „TV gna­den­los zu par­odie­ren“, als die größte Wohl­tat seit „Kalk­ofes Matt­scheibe“ an. Doch den gro­ßen Hebel konnte „Switch“ erst im zwei­ten Anlauf umlegen.

Zwar kre­ier­ten Petra Nadolny, Susanne Pät­zold, Mona Sharma, Michael Mül­ler, Peter Nott­meier und Bern­hard Hoë­cker ab 1997 wahre Ever­greens von „Deut­sche Welle Polen in Farbe und bunt“ über Uli Wickerts „Tagesthemen“-Tolle bis „Fak­ten, Fak­ten, Fak­ten“, doch nach vier Staf­feln hieß es trotz neuer Gesich­ter (Michael Kess­ler, Bet­tina Lam­precht und Annette Frier): „Switch, Sie sind raus!“ Zu wenig scharfe Satire, zu viel pure Albern­heit. Und abge­setzt. „Gute Nacht, John-​​Boy.“

Die Wende kam 2006 mit dem Zusatz „Reloa­ded“, stark ver­bes­ser­ter Maske und vor allem den zur Urtruppe sto­ßen­den Neu­zu­gän­gen Mar­tina Hill und Max Gier­mann, die für ihre über­spitz­ten Nach­ah­mun­gen von Heidi Klum, Katja Bur­kard, Anja „Die Poerse im Ers­ten“ Kohl, Syl­vie van der Vaart oder Sonya Kraus auf der einen Seite und Ste­fan Raab, Die­ter Boh­len, Oli­ver Geis­sen, Hugo Egon Bal­der oder Rein­hold Beck­mann auf der ande­ren ver­gan­ge­nes Jahr für ihre Par­odien und Perü­cken in Staf­fel vier respek­tive „Vol. 4“ (Tur­bine Medien/​Alive) je einen „Deut­schen Come­dy­preis“ beka­men; die bis­he­ri­gen Schluss­punkte im „Switch“-Preisregen, der nach dem Neu­start ein­ge­setzt hat.

„Rach, der Restau­rant­tes­ter“, „Die Ludolfs“, „Gali­leo Mys­tery“, „Germany’s Next Top­mo­del“ und „The Next Uri Gel­ler“, „Kika Baum­haus“, „Die Aus­rei­ßer“, „TV Total“, „Beck­mann“, „Punkt 12“, die Ver­zweif­lungs­such­shows nach Schwie­ger­toch­ter, Bauer und Papa, „Nur die Liebe zählt“, „Akte 2010“, „Wis­sen vor 8“, „Die Comedy-​​Falle“, „RTL Aktu­ell“, „Son­nen­klar TV“, „Volle Kanne“ mit Mongo Imm­sen, „Stern TV“, „Die ulti­ma­tive Chart-​​Show“ und „Hit Gigan­ten“, Kerner-​​Klon „Mar­kus Lanz“, „Das Super­ta­lent“, „Ver­misst“, „Das per­fekte Promi-​​Dinner“, „Exclu­siv“, „Sat.1 Früh­stücks­fern­se­hen“, „Wer wird Mil­lio­när“, „Wet­ten, dass..?“ und „Schlag den Raab“, „Talk Talk Talk“, „Taff“, „Genial dane­ben“, „Red“, „Raus aus den Schul­den“, „Nied­rig und Kuhnt“, „Lasko“ und selbst US-​​Serien-​​Hits wie „CSI Miami“, „24“, oder „Dr. House“, 15 Fol­gen „Switch Reloa­ded“, als Bonus das weni­ger wit­zige „Dschungel“-Spezial zu „Ich bin ein Star — holt mich hier raus!“ sowie die sehr spa­ßi­gen Jah­res­rück­bli­cke 2008 und 2009, „Men­schen“ mit JBK oder Jauchs „Men­schen, Bil­der, Emo­tio­nen“, pri­va­ter oder öffentlich-​​rechtlicher Rund­funk – kei­ner kommt davon.

Und wenn Michael Kess­ler als Papa Hit­ler in „Ober­salz­berg“ lamen­tiert, „Toto & Harry“ auf Han­ni­bal Lec­ter oder Osama Bin Laden sto­ßen, Lafer auf Lich­ter, Uli Hoeneß  brand­re­det, der Klinsi alles schön­schwä­belt und Claus Kle­ber mit Gun­dula Gause im vir­tu­el­len „Heute Journal“-Studio der Windows-​​Absturz droht, dann macht — natür­lich immer vor­aus­ge­setzt man kennt die Ori­gi­nale — selbst die größte Fern­se­h­un­kul­tur rich­tig Laune!