16. September 2010

Psycho

Psycho„Mut­ter, Blut!“ Die Dusch­szene ist eine der meist­zi­tier­ten der Film­ge­schichte. 45 Sekun­den, 70 Kame­ra­ein­stel­lun­gen und 50 Schnitte, die zu den berühm­tes­ten Momen­ten von Alfred Hitch­cock gehö­ren. Als die Lein­wand­fas­sung von Robert Blochs Roman „Psy­cho“ 1960 gestar­tet wurde, wusste noch nie­mand, dass der in drei Kino­fil­men und einer Fern­seh­pro­duk­tion von Anthony Per­kins so per­fide ver­kör­perte Motel­be­trei­ber Nor­man Bates ein krank­haft mut­ter­fi­xier­ter und schi­zo­phre­ner Seri­en­mör­der ist.

Auch die kleine Büro­an­ge­stellte Marion Crane (Janet Leigh), die wenige Stun­den zuvor noch 40.000 Dol­lar unter­schla­gen hat, ahnt nichts, als sie der strö­mende Regen auf das abseits gele­gene Grund­stück mit dem mar­kant buck­li­gen vik­to­ria­ni­schen Her­ren­haus spült, in des­sen vor­ge­la­ger­ten Bara­cken sie mit ihrem Blut­bad hin­term Dusch­vor­hang einen der berühm­tes­ten Film­tode ster­ben sollte.

Obwohl Hitch­cock im Gegen­satz zu Gus Van Sants Remake von 1998 kaum Blut zeigt (und das war Scho­ko­la­den­soße), erscheint die Sze­ne­rie im Ori­gi­nal viel dras­ti­scher: Ledig­lich ange­deu­tete Gewalt, zuste­chende Umrisse in schwarz und weiß, dazu das stak­ka­to­hafte Strei­cher­stück „The Mur­der“ von Ber­nard Herr­mann — der Mas­ter Of Sus­pense beherrschte gerade diese for­ma­len Fines­sen, die Mon­tage aus Licht, Ton und Per­spek­tive, so bril­lant, dass die 109 Minu­ten auch in der „50th Anni­versary Collec­tion“ (Uni­ver­sal Pic­tures) nicht nur fas­zi­nie­ren, son­dern trotz des Wis­sens um den Aus­gang noch immer zu ängs­ti­gen vermögen.