Götz Widmann - "Balladen"Seine lei­sen Sai­ten hat Lie­der­ma­cher Götz Wid­mann schon immer anklin­gen las­sen. Auf der neuen Doppel-​​CD „Bal­la­den“ (Ahuga/​Alive) spielt er jedoch aus­schließ­lich seine ganz per­sön­li­chen Favo­ri­ten, von den Anfän­gen mit Joint Ven­ture bis zu den aktu­el­len Solokünstlertagen.

Ergöt­zen darf man sich dabei an klas­si­schen Lie­bes­lie­dern im Spek­trum frisch­ver­liebt bis frisch­ver­las­sen („Män­ner & Frauen“) und was sonst noch so unter Ver­dich­te­tem läuft („Alles wie­der gut“). Vier neue Stü­cke fin­den sich in der wohl­sor­tier­ten Samm­lung, auf­ge­nom­men wie schon der Vor­gän­ger „Hin­gabe“ im Köl­ner Thea­ter im Bau­turm und dazu im Schwei­ze­ri­schen Biglen — wobei lange nicht Gespiel­tes wie „Spie­gel­bild“, „One Night Stand“, „Ich möcht gern mal du sein“ oder „Eine gött­li­che Komö­die“ auf CD eins ein woh­li­ges Wie­der­hörn versprechen.

Über den Neu­ling „Kose­wort“ lachen kön­nen dann zumin­dest alle, die es weni­ger roman­tisch fin­den, von ihrem Part­ner mit Tier­na­men ange­spro­chen zu wer­den; und wir träu­men mit, wenn Wid­mann sich ins „Lava­mär­chen­land“ zwi­schen Jedey und Fuen­ca­li­ente auf die Kana­ren­in­sel La Palma zupft. Auch wenn der Bon­ner Barde gerne mal die Stahl­sai­ten schep­pern lässt, hat er ein min­des­tens ebenso gutes Händ­chen fürs Phi­lo­so­phi­sche, Sen­ti­men­tale, Herz­schmer­zende (wie die tod­trau­rige Mär von den „Zwei Trau­ben“, die erst ster­ben müs­sen, um sich inein­an­der zu ergie­ßen). Und er fin­det pas­sende Worte, um solch schwer bei­zu­kom­men­den Gefüh­len wie „Glück“ einen Namen zu geben.

Noch  mehr gemein­sam mit dem eins­ti­gen Kom­pa­gnon Kom­po­nier­tes gibt’s auf CD zwei zu hören: „Süf­fel­mann“, die Fort­set­zung von „Der Tag des Herrn“, „Das bit­tere Ende“, „Die Wun­der­schlampe“, „Ich liebe mich“ und die Geschichte vom Aller­welt­st­unicht­gut „Henri Zim­mer­mann“ erin­nern immer auch an Mar­tin „Kleinti“ Simon und die Zei­ten, da Wid­manns dunkel-​​sonores Organ noch einen hel­len Gegen­part an sei­ner Seite wusste. Neu an die­ser Stelle: das auf­mun­ternde „Struk­tur“ und der gespro­chene Witz vom „MP7“-Format.

Das Schönste unter den 32 „Schöns­ten lei­sen Lie­dern von 1992 bis heute“ ist den­noch ein Solo­stück. Es wirkt wie ein Bin­de­glied zwi­schen den Plat­ten und hätte es auch kon­zep­tio­nell ver­dient, auf bei­den ein Plätz­chen zu bekom­men: der see­len­schmei­chelnde Mut­ma­cher „Meine nächste große Liebe“ — das Mono­ga­mie­be­kennt­nis eines Man­nes, des­sen Stimme man gerade dann hören muss, wenn der Rah­men inti­mer wird. Und Haschisch­hund­chen Edu­ard samt dem nach ihm jau­len­den Publi­kums­ru­del? Geh’n wohl bes­ser noch’n wei­te­res Jahr auf Weltreise!