7. Oktober 2010

The Social Network

The Social NetworkOb einem das nun gefällt oder nicht — die „Like“-Buttons haben das World Wide Web über­schwemmt. Das Gesichts­buch ist im Netz längst all­ge­gen­wär­tig. Und selbst jene Sites, die Face­books Streuen kri­tisch beglei­ten, kön­nen sich anschei­nend nicht davon frei­ma­chen. Die Com­mu­nity nutzt das neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel der­weil eif­rig, als Stim­mungs­ba­ro­me­ter, vir­tu­elle Klo­wand und Selbst­dar­stel­lungs­bühne. Dem umstrit­te­nen Grün­der des Social Net­works, Mark Zucker­berg, hat sich Regis­seur David Fin­cher gewidmet.

„Mil­li­ar­där per Zufall“ heißt das zur Vor­lage her­an­ge­zo­gene Buch von Ben Mez­rich, der die Grün­der­jahre der Web­site beschreibt. Und der Unter­ti­tel macht klar, dass Fin­cher nicht in die Debatte über Daten­schutz und Pri­vat­sphäre ein­stei­gen würde: Es ist „eine Geschichte über Sex, Geld, Freund­schaft und Betrug“.

Alles beginnt damit, dass Zucker­berg (Jesse Eisen­berg), Harvard-​​Student, Com­pu­ter­ge­nie und gar nicht unbe­dingt der erwar­tete Voll­nerd, wegen sozia­ler Inkom­pe­tenz bei sei­ner Lady abblitzt und sich auf die infan­tile Art rächt: Er pro­gram­miert an jenem Herbst­abend im Jahr 2003 eine „Hot Or Not“-Website, auf der die Gesich­ter sämt­li­cher Kom­mi­li­to­nin­nen bewer­tet wer­den kön­nen. Sechs Jahre spä­ter ist Zucker­berg der jüngste Multi-​​Milliardär aller Zeiten.

Aber er hat gelernt, dass man keine 500 Mil­lio­nen Freunde haben kann, ohne sich ein paar Feinde zu machen. So viele aktive Nut­zer hat das nach den Ori­en­tie­rungs­bü­chern ame­ri­ka­ni­scher Col­le­ges benannte Face­book eige­nen Anga­ben zufolge welt­weit; und Zucker­berg bekommt von Napster-​​Co-​​Erfinder Sean Par­ker (Jus­tin Tim­ber­lake) gelenkt zu sei­nen zwi­schen­mensch­li­chen auch noch urhe­ber­recht­li­che Pro­bleme mit den Winklevoss-​​Zwillingen (Armie Ham­mer und Josh Pence) sowie Freund, Mit­grün­der und Finan­zier Edu­ardo Save­rin (And­rew Gar­field), der Buch­au­tor Mez­rich in vor­nehm­lich bera­ten hat.

Vor­der­grün­dig ist Fin­chers zwi­schen Fir­men­his­to­rie und Anwalts­zim­mer hin– und her­schal­ten­der „The Social Net­work“ atem­lo­ses Zuckerberg-​​Porträt, über den er kein unmit­tel­ba­res Urteil fällt, dann eine Abrech­nung mit dem eli­tä­ren Mikro­kos­mos Har­vard und schließ­lich fieb­rige Gesell­schafts­stu­die der Nul­ler­jahre über Ehr­geiz, Macht, Gel­tungs­sucht und eine vir­tu­elle Welt aus schö­nem Schein. Denn Face­book trans­por­tiert nur Gutes. Dabei wäre der „Gefällt mir nicht“-Button eigent­lich überfällig.