4. November 2010

Vincent will Meer

Vincent will Meer„Ich habe einen Clown im Kopf, der mir stän­dig zwi­schen die Syn­ap­sen scheißt.“ So beschreibt Vin­cent sein Tourette-​​Syndrom. Gespielt wird er von Flo­rian David Fitz aus der TV-​​Serie „Doctor’s Diary“; dort Ober­arzt, hier selbst behand­lungs­be­dürf­tig. Und Vin­cent flieht vor den unkon­trol­lier­ten Bewe­gun­gen und Gri­mas­sen, den Flü­chen und obs­zö­nen Aus­ru­fen, die ihn in die Kli­nik gebracht haben. Er will nach Ita­lien, mit sei­ner Mut­ter, deren Asche er in einer Bon­bon­dose verwahrt.

Ange­trie­ben von einem geklau­ten Auto und dem Gedan­ken, ihren letz­ten Wunsch zu erfül­len, macht er sich gemein­sam mit der mager­süch­ti­gen Marie (Karo­line Her­furth) und sei­nem zwangs­neu­ro­ti­schen Zim­mer­ge­nos­sen Alex­an­der (Johan­nes All­mayer) auf den Weg über die Alpen. Vin­cents Vater (Heino Ferch), ein aufs Anse­hen bedach­ter Lokal­po­li­ti­ker, der den aus­ge­tick­ten Soh­ne­mann nach dem „Fotzen“-Ausbruch wäh­rend der Beer­di­gungs­pre­digt ein­lie­fern ließ, und Heim­lei­te­rin Dr. Rose (Katha­rina Müller-​​Elmau) neh­men die Ver­fol­gung auf.

Für das Trio aus der Anstalt wird der Spon­t­an­trip ans Meer nicht nur zum Wech­sel­bad der Gefühle, er erwächst zur heil­sa­men Selbst­the­ra­pie, an der man nach 90 Minu­ten gerne inten­si­ver teil­ge­habt hätte. Das ist auch schon die ein­zige Vor­hal­tung, die man dem Haupt­dar­stel­ler machen kann.

Denn Fitz, der den Tourette-​​Kranken ver­stö­rend echt dar­stellt, lie­ferte Regis­seur Ralf Huett­ner auch das Dreh­buch für die äußerst gefäl­lige Roadmovie-​​Tragikomödie „Vin­cent will Meer“ (Con­stan­tin Film), die mit der (bei die­ser Ansamm­lung von Anti­hel­den zwangs­läu­fig ent­ste­hen­den) unfrei­wil­li­gen Komik voll­kom­men sou­ve­rän umgeht und statt schnö­dem Happy End in ein ange­neh­mes Hoff­nungs­schim­mern entlässt.