8. April 2011

Pianomania

Pianomania„Der Ton atmet nicht.“ Die Sorge von Star­pia­nist Pierre-​​Laurent Aimard ist auch jene von Ste­fan Knüp­fer, sei­nem Kla­vier­stim­mer. „Pia­no­ma­nia“ (Farb­film Home Enter­tain­ment), der preis­ge­krönte Doku­men­tar­film von Lilian Franck und Robert Cibis, beglei­tet den Chef­tech­ni­ker von Stein­way & Sons Aus­tria bei sei­ner außer­ge­wöhn­li­chen Arbeit im Wie­ner Kon­zert­haus mit den Bes­ten der Klassik-​​Szene.

Zusam­men­ge­hal­ten wer­den die 96 Minu­ten durch die ein­jäh­rige Vor­be­rei­tung für Aimards Bach-​​Aufnahme der „Kunst der Fuge“. Knüp­fer klopft, schleift, sto­chert, sticht, erwärmt, unter­legt, feilt, bohrt; er jus­tiert, reflek­tiert, balan­ciert und into­niert an Num­mer 245, baut Schall­spie­gel, tauscht Ham­mer­köpfe, Tas­ten und schließ­lich das Piano.

Dabei benö­tigt der gebür­tige Ham­bur­ger nicht nur Ein­füh­lungs­ver­mö­gen fürs mon­däne Instru­ment, son­dern auch für seine auf Per­fek­tion ver­ses­se­nen, voll krea­ti­ver Unge­duld ste­cken­den Kli­en­ten wie den extro­ver­tiert auf­spie­len­den Chi­ne­sen Lang Lang, Alfred Bren­del oder Igu­des­man & Joo, die mit ihren Sket­chen die eli­täre Musik­welt kari­kie­ren. Aber selbst wenn Knüp­fer die „Suche nach dem per­fek­ten Klang“ bei allem an den Tag geleg­ten Gleich­mut manch­mal sicht­lich zu schaf­fen macht, teilt der Hand­wer­ker die Beses­sen­heit sei­ner Künst­ler, ihre Akri­bie, die abso­lute Liebe zum Detail, ihr Rin­gen um Voll­kom­men­heit, das nie zu errei­chende Ideal.

Rein beob­ach­tend geht das Regie-​​Duo ans Werk, arbei­tet mit sehr lan­gen, ruhi­gen Ein­stel­lun­gen und kre­iert damit äußerst intime Momente pro­fes­sio­nel­len Schaf­fens. Bis das Instru­ment weit­ge­hend der klang­far­be­nen Vision des Vir­tuo­sen ent­spricht. Denn: „Wirk­lich zufrie­den sind die gro­ßen Pia­nis­ten eigent­lich nie“, weiß Knüp­fer. Aber die Macher dür­fen es sein. Mit einem Film, der sei­nen Ton trifft. Ein Hör– und Seh­ge­nuss – aus­drück­lich nicht nur für Klassik-​​Freunde.