27. Mai 2011

Die Hummel

Die HummelWäh­rend Abschluss­ar­bei­ten ande­rer Fach­ge­biete gerne mit den ver­schwur­belts­ten Titeln daher­kom­men, hält sich Sebas­tian Stern bei sei­nem an der Münch­ner HFF ent­stan­de­nen Diplom­film kurz. „Die Hum­mel“ (Movie­net Film/​Light­house Home Enter­tain­ment) hat er die Verlierer-​​Tragikomödie genannt, deren Figu­ren wie die Insek­ten zwar zu schwer sein sol­len, um zu flie­gen, es im Unwis­sen über die Gesetze der Aero­dy­na­mik aber den­noch zustande bringen.

Wie der ver­meint­li­che Über­flie­ger Pit Hand­los (Jür­gen Ton­kel), der in einer nie­der­baye­ri­schen Klein­stadt Kos­me­tika im Schnee­ball­sys­tem ver­hö­kert. Seine Masche: alte Freun­din­nen erst zu einem Gläs­chen Wein ein­la­den, um dann das mit Schön­heits­pro­duk­ten gefüllte Köf­fer­chen zu prä­sen­tie­ren. Doch wenn Pit über­haupt noch in irgend­et­was erfolg­reich ist, dann darin, die bür­ger­li­che Maske vor seine längst brö­ckelnde Exis­tenz zu halten.

Als ihm der Gerichts­voll­zie­her die Woh­nung pfän­det, quar­tiert er sich unter einem Vor­wand bei Soh­ne­mann Flo (Michael Kranz) ein. Erst das im Kun­den­ge­spräch endende Wie­der­se­hen mit sei­ner Jugend­liebe, der unglück­lich ver­hei­ra­te­ten Chris­tiane (Inka Fried­rich), lässt den Ver­tre­ter unsanft auf dem Boden der eige­nen Lebens­lüge bruchlanden.

Stern lässt Ein­stel­lun­gen gern wir­ken und auch sein Dreh­buch lebt von den Pau­sen, die es erlau­ben, den Prot­ago­nis­ten zwi­schen ihren Dia­lo­gen beim Nach­den­ken zuzu­schauen. Für seine sub­tile Stu­die des Schei­terns wurde er 2010 mit einem „Baye­ri­schen Film­preis“ in der Kate­go­rie „Beste Nach­wuchs­re­gie“ aus­ge­zeich­net. Weil er sich lakonisch-​​melancholischem Humor ebenso bemäch­ti­gen kann wie bei­ßen­dem Sar­kas­mus. Und mit sei­ner Meta­pher ergrün­det, dass das (wis­sen­schaft­lich wider­legte) Hummel-​​Paradoxon beim Men­schen durch­aus tem­po­räre Gel­tung besitzt.