15. Juni 2011

Haltbares Hack

PlüschiKarls­ruhe — Vor vier Jah­ren hat Chris­tian Bund­schuh, stadt­weit bes­ser bekannt als Plü­schi, in der Alten Hacke­rei den Schlacht­be­trieb wie­der auf­ge­nom­men. Mit Patrick Wurs­ter plauschte er zum Jubi­läum über den sich all­mäh­lich fül­len­den Krea­tiv­park und die Zukunft sei­ner „Gepfleg­ten Punkrock-​​Bar“.

???: Vom 3. Mai 2007 bis zum 16. Okto­ber 2010 muss­tet ihr das gesamte Schlacht­hof­ge­lände bespie­len – mal abge­se­hen von den Nach­barn Toll­haus und Jazz­club. Bist du selbst ein wenig ver­wun­dert, dass ihr als Quasi-​​Alleinunterhalter über drei Jahre lang durch­ge­hal­ten habt?
Plü­schi: Plan­mä­ßig hätte die Ent­wick­lung des Are­als viel schnel­ler vor­an­schrei­ten sol­len, das Sub­s­tage war ja eigent­lich schon für 2009 ange­kün­digt… Letzt­end­lich sind wir aber freu­dig erstaunt, wie sich die Alte Hacke­rei trotz allem eta­bliert hat. Und das, obwohl wir immer noch mit Halb­jah­res­ver­trä­gen arbei­ten! Publi­kum wie Bands zei­gen sich äußerst ange­tan, von Loca­tion, fried­li­cher Stim­mung und der net­ten Behandlung.

???: Auf Lauf­kund­schaft konn­tet ihr nicht bauen – ist mit dem Sub­s­tage alles bes­ser gewor­den?
Plü­schi: Bis­lang muss­ten wir jeden aus eige­nen Stü­cken hier­her bewe­gen. Jetzt ist die Fre­quenz natur­ge­mäß höher, nur unter der Woche geht abends nach wie vor noch viel zu wenig. Wir war­ten aber auch nicht dar­auf, dass die Leute vom Sub­s­tage rüber­kom­men, son­dern zie­hen mit unse­ren eige­nen Ver­an­stal­tun­gen Publi­kum. Das ist die ein­zig rich­tige Politik.

???: Wel­che Rolle spielt die Authen­ti­zi­tät bei eurem Lieb­ha­ber­pro­jekt?
Plü­schi: Der Hin­ter­ge­danke war durch­aus, die Abende dort zu ver­brin­gen, wo mir die Musik zusagt. Das muss nicht immer Punk­rock sein. Aber wir haben grund­sätz­lich einen Anspruch an die Dinge, die wir machen – ob das nun Kon­zert, „Die nette Hacke­rei Cock­tail Bar“ oder der „Top oder Flop“-Plattenversteigerungsabend ist. Da muss Liebe und Gefühl bei sein. Und wer in der Hacke­rei arbei­tet, trägt das nach außen.

???: Schon 2004 ver­such­ten sich Bekannte von dir mit einem amt­li­chen Kon­zert­pro­gramm an der Schlachthof-​​Gaststätte und muss­ten wegen finan­zi­el­ler Schwie­rig­kei­ten im Jahr drauf wie­der schlie­ßen. War das für dich kein war­nen­des Bei­spiel?
Plü­schi: Ich habe damals Kon­zerte im Schlacht­hof ver­an­stal­tet und kann sagen: Schlacht­hof und Hacke­rei – das sind zwei völ­lig ver­schie­dene Kon­zepte. Die Fix­kos­ten im Schlacht­hof waren unglaub­lich hoch und des­we­gen auf Dauer untrag­bar. Wenn die Hacke­rei unter der Woche ein­mal nicht so gut fre­quen­tiert ist, kön­nen wir das sehr wohl kom­pen­sie­ren. Denn diese Mischung aus Kneipe und Live­mu­sik­stätte gibt es so in der Stadt kein zwei­tes Mal. Ich war frü­her viel auf Tour, arbeite noch als Ton­tech­ni­ker, habe natio­nal wie inter­na­tio­nal Kon­takte zu Bands und Agen­tu­ren. Das und die Koope­ra­tion mit dem KKKA, dem Ver­ein zur För­de­rung der Kunst und Kul­tur in Karls­ruhe, macht es uns mög­lich, Bands wie die UK Subs, Lea­ther­face oder Spermbirds zu buchen, die in einem so klei­nen Laden sonst gar nicht auf­tre­ten würden.

Plüschi???: Am So, 26. Juni, heißt’s wie­der „Aus­ge­schlach­tet“. Was habt ihr im Rah­men der Nach­bar­schafts­in­itia­tive zum Tag der offe­nen Türen im Krea­tiv­park geplant?
Plü­schi: Ich gebe wie­der den Grill­meis­ter, wir stel­len Tisch­ten­nis­platte und Kicker in den Bier­gar­ten, dazu geben The Syn­chro­ni­zers zwei Vor­stel­lun­gen ihrer spa­ßi­gen Live-​​Synchronisations-​​Show.

???: Wie siehst du die Zukunft des Schlachthof-​​Areals?

Plü­schi: Ganz toll ist die gelebte Nach­bar­schaft mit den ande­ren Mie­tern auf dem Gelände! Aber meine Vision ist, dass die Leute gezielt in den Schlacht­hof kom­men, um sich zu amü­sie­ren. Das wird in ein paar Jah­ren auch so sein, aber dazu muss noch das ein oder andere pas­sie­ren. Es man­gelt grund­sätz­lich an Infrastruktur.

???: Ihr bleibt der­weil nicht taten­los: Das Gebäude 10b soll sich ver­grö­ßern?
Plü­schi: Der Umbau der Hacke­rei fin­det im Juli statt und wird etwa fünf Wochen dau­ern. Aber der Betrieb muss par­al­lel weiter-​​laufen, sonst ist das prak­tisch ein Neu­start. Wir kön­nen hier nicht noch ein­mal so viel Ener­gie rein­ste­cken wie die ver­gan­ge­nen vier Jahre und zie­hen des­halb wäh­rend der Bau­zeit pro­vi­so­risch in die Alte Fleisch­markt­halle. Dort öff­nen wir haupt­säch­lich am Wochen­ende, auch „Top oder Flop“-Abend und Musi­k­quiz fin­den statt, einen Bier­gar­ten rich­ten wir eben­falls ein. Und danach möchte ich ein­fach so arbei­ten kön­nen wie andere Läden auch: mit lang­fris­ti­ger Perspektive.