11. August 2011

Resturlaub

ResturlaubEr ist der Reani­ma­tor des deut­schen Män­ner­ro­mans: Tommy Jaud, Autor des 2010er Best­sel­lers „Hum­meldumm“. Wäh­rend die Ver­fil­mung sei­nes Debüts „Voll­idiot“ ein ein­zi­ges Pocher’sches Ablass­ven­til war, ver­sucht es Regis­seur Gre­gor Schnitz­ler, der bereits mit Ben­ja­min von Stuckrad-​​Barres „Solo­al­bum“ deut­sche Gegen­warts­li­te­ra­tur ver­filmt hat, bei „Rest­ur­laub“ mit einem erwie­se­nen Schau­spie­ler in der Hauptrolle.

Maxi­mi­lian Brück­ner, „Tatort“-Kommissar des Saar­län­di­schen Rund­funks, mimt Peter „Pit­schi“ Greu­lich, den in der Mitt­drei­ßi­ger­krise ste­cken­den PR-​​Mann der Fami­li­en­braue­rei Seppelpeter’s. End­sta­tion Rei­hen­haus mit Kiesauf­fahrt im beschau­li­chen Bam­berg sind des­sen Sache nicht. Als auch noch der beste Kum­pel Arne (Ste­phan Luca) im Ehe­ha­fen ein­läuft und seine lang­jäh­rige Freun­din Sabine (Mira Bar­tu­schek) Kin­der­wunsch äußert, bricht Pit­schi aus der dro­hen­den Spie­ße­r­idylle aus.

Er fin­giert einen Über­fall, um die Freunde alleine in den zehn­ten Malle-​​Urlaub zu schi­cken, wäh­rend er in Bue­nos Aires sein neues Leben beginnt. Tat­säch­lich bringt ihm Leh­re­rin Luna (Mela­nie Wini­ger) noch mehr Spra­chen als Spa­nisch bei – bis Pit­schi bewusst wird, dass er als Bie­nes Maus­bär in der ober­frän­ki­schen Pro­vinz eigent­lich längst besaß, was er in der wei­ten Welt zu fin­den glaubte.

Das stim­mige Roman-​​Ende zieht Dreh­buch­schrei­ber Jaud für den Film unnö­tig in die Länge. Ansons­ten sorgt er dafür, dass der Grund­ton sei­nes „Zweit­buchs“ erhal­ten bleibt: Zwi­schen Selbst­ver­stüm­me­lungs­sze­nen auf dem Flug­ha­fen, erek­ti­ons­för­dern­der Chili-​​Sauce im Rek­tum und ande­ren pikan­ten Spä­ßen sowie den Come­di­ans Mar­tina Hill, Mat­thias Matschke und Dave Davis schim­mert noch der Funke Wahr­heit einer Komö­die durch, in der sich all jene wie­der­se­hen, die das fort­pflan­zungs­un­lus­tige, ritua­li­siert trunk­süch­tige und auch ein biss­chen hei­mat­ver­liebte ewige Kind in sich (oder an ihrer Seite) hal­ten konnten.