Andrea DreifkluftForst — Boden­stän­di­ger wer­den will Strip­pe­rin Andrea Dreik­luft. Ihren Stan­gen ist sie den­noch treu geblie­ben: In Forst bei Bruch­sal hat die 30-​​Jährige das erste Pole-​​Fitness-​​Studio der Region eröff­net. Hier­zu­lande oft noch als rot­licht­be­schie­nene Ero­tik­ver­an­stal­tung abge­tan, ist der Stan­gen­tanz aus­ge­rech­net im prü­den Ame­rika bereits eine aner­kannte Sport­art. Anstatt den Her­ren mit ihren akro­ba­ti­schen Ein­la­gen den Kopf zu ver­dre­hen, wirbt die Blon­dine nun für weib­li­ches Kli­en­tel, das sich vor­be­halt­los an der blit­zen­den Stange als Trai­nings­ge­rät versucht.

Gleich ein Dut­zend Frauen hat sich nach der Eröff­nungs­feier Anfang Juni für einen Schnup­per­kurs ange­mel­det, viele sind dabei­ge­blie­ben und immer mehr kom­men regel­mä­ßig in der Ham­brü­cker Straße vor­bei – ob eben 18 oder schon in den 40ern. „Mit Schmud­del hat das abso­lut nichts zu tun“, bekräf­tigt Andrea und erklärt: „Pole Dance ist ein Fit­ness– und Tanz­pro­gramm, bei dem der ganze Kör­per trai­niert wird – her­vor­ra­gend geeig­net für Aus­dauer und Mus­kel­auf­bau, aber auch zur Rücken­stär­kung oder Kor­rek­tur der Körperhaltung.“

„Pole Dance ist und bleibt etwas Erotisches“

Und wenn sie in die Ver­ti­kale schwingt, sich mit Fuß, Arm und Haut in die Stange hängt, wird klar, wel­che Span­nung ihr zier­li­cher Kör­per dazu hal­ten muss. Nicht umsonst ist das Kurs­an­ge­bot im Pole Fit­ness Forst unter­teilt, begin­nen die Unbe­darf­ten in Vie­rer­grup­pen mit lang­sa­men Dre­hun­gen und Boden­kon­takt; erst im Auf­bau­kurs kommt das Ein­hän­gen der Beine dazu, das Hoch­stei­gen und Abdre­hen, das Sit­zen und Schwe­ben in der Stange. „Aber Pole Dance ist und bleibt natür­lich etwas Ero­ti­sches“, sagt Andrea. „Daher ist es schön, spä­ter auch mal mit hohen Schu­hen zu trainieren.“

Die gelernte Ein­zel­han­dels­kauf­frau übt sich ein­mal täg­lich – auch um als Striptease-​​Tänzerin fort­ge­schrit­te­nen Alters nach wie vor eine makel­lose Figur zu machen: Als Show­girl Alex ver­süßt sie Jung­ge­sel­len­ab­schiede, Pri­vat­par­tys und Weih­nachts­fei­ern, tanzt auf den Tischen von Frank­furt bis Stutt­gart, trat in Musik­vi­deos und bei „Ver­ste­hen Sie Spaß?“ auf, war Background-​​Tänzerin bei Dr. Alban, Pink buchte sie jüngst für eine Tour­sause, David Gar­rett für die Aftershow-​​Party. 26-​​jährig ver­suchte sich Andrea sogar in Las Vegas, bekam einen Job, aber keine Arbeitserlaubnis.

„Ich war schon immer spießig“

„Ich ver­diene mein Geld mit einem Pro­dukt und das geht nur so lange die­ses Pro­dukt gut ist. Irgend­wann ist es nicht mehr gut – da kannst du noch so viel trai­nie­ren“, ist sie sich der End­lich­keit ihrer Pro­fes­sion bewusst. „Das bewegt sich zwi­schen 30 und 35, dann muss etwas Neues her. Das darf man nicht ver­pas­sen!“ Also ging Andrea auf die Suche und ver­liebte sich sofort in die 120 Qua­drat­me­ter, auf denen bereits zuvor ein Fit­ness­stu­dio betrie­ben wurde. 4.000 Euro hat sie inves­tiert und nicht nur Mut­ter Edith ist stolz, nun eine Unter­neh­me­rin zur Toch­ter zu haben.

„Tief in mir drin war ich schon immer spie­ßig. Es hat nur ein paar Jahre gedau­ert, das zu erken­nen“, erzählt sie auch dem Pri­vat­sen­der RTL, der Andrea Dreik­luft in sei­ner Reihe „Fas­zi­na­tion Leben“ vor­stellt: „Kurs­wech­sel an der Stange – Eine Gogo-​​Tänzerin will bür­ger­lich wer­den“ titelt die Repor­tage. Dazu gehört auch die große Liebe, die sie in ihrem Freund Jörg gefun­den hat. Seit einem Jahr leben die bei­den zusam­men, wol­len hei­ra­ten. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich einen Mann finde, der es wert wäre, die­sen Weg ein­zu­schla­gen. Und ich hätte ebenso wenig gedacht, dass es mir Spaß macht!“, staunt Andrea mit­tag­es­sen­ko­chend über sich selbst.

Aber auch der alte Job hat nach wie vor sei­nen Reiz – wobei sie keine von denen sein möchte, die split­ter­nackt ihre Beine aus­ein­an­der­rei­ßen: „Ich muss nicht alles zei­gen. Die Män­ner dür­fen ruhig ein biss­chen Phan­ta­sie spie­len las­sen…“ Und sollte eine ihrer Fit­ness­stu­dio­kun­din­nen je doch ein­mal genauer wis­sen wol­len, wie man sich sexy vor dem Part­ner ent­blät­tert, ist eine Extra-​​Einheit bei der neuen Geschäfts­füh­re­rin sicher­lich verhandelbar.