10. August 2011
Unternehmerin von der Stange
Forst — Bodenständiger werden will Stripperin Andrea Dreikluft. Ihren Stangen ist sie dennoch treu geblieben: In Forst bei Bruchsal hat die 30-Jährige das erste Pole-Fitness-Studio der Region eröffnet. Hierzulande oft noch als rotlichtbeschienene Erotikveranstaltung abgetan, ist der Stangentanz ausgerechnet im prüden Amerika bereits eine anerkannte Sportart. Anstatt den Herren mit ihren akrobatischen Einlagen den Kopf zu verdrehen, wirbt die Blondine nun für weibliches Klientel, das sich vorbehaltlos an der blitzenden Stange als Trainingsgerät versucht.
Gleich ein Dutzend Frauen hat sich nach der Eröffnungsfeier Anfang Juni für einen Schnupperkurs angemeldet, viele sind dabeigeblieben und immer mehr kommen regelmäßig in der Hambrücker Straße vorbei – ob eben 18 oder schon in den 40ern. „Mit Schmuddel hat das absolut nichts zu tun“, bekräftigt Andrea und erklärt: „Pole Dance ist ein Fitness– und Tanzprogramm, bei dem der ganze Körper trainiert wird – hervorragend geeignet für Ausdauer und Muskelaufbau, aber auch zur Rückenstärkung oder Korrektur der Körperhaltung.“
„Pole Dance ist und bleibt etwas Erotisches“
Und wenn sie in die Vertikale schwingt, sich mit Fuß, Arm und Haut in die Stange hängt, wird klar, welche Spannung ihr zierlicher Körper dazu halten muss. Nicht umsonst ist das Kursangebot im Pole Fitness Forst unterteilt, beginnen die Unbedarften in Vierergruppen mit langsamen Drehungen und Bodenkontakt; erst im Aufbaukurs kommt das Einhängen der Beine dazu, das Hochsteigen und Abdrehen, das Sitzen und Schweben in der Stange. „Aber Pole Dance ist und bleibt natürlich etwas Erotisches“, sagt Andrea. „Daher ist es schön, später auch mal mit hohen Schuhen zu trainieren.“
Die gelernte Einzelhandelskauffrau übt sich einmal täglich – auch um als Striptease-Tänzerin fortgeschrittenen Alters nach wie vor eine makellose Figur zu machen: Als Showgirl Alex versüßt sie Junggesellenabschiede, Privatpartys und Weihnachtsfeiern, tanzt auf den Tischen von Frankfurt bis Stuttgart, trat in Musikvideos und bei „Verstehen Sie Spaß?“ auf, war Background-Tänzerin bei Dr. Alban, Pink buchte sie jüngst für eine Toursause, David Garrett für die Aftershow-Party. 26-jährig versuchte sich Andrea sogar in Las Vegas, bekam einen Job, aber keine Arbeitserlaubnis.
„Ich war schon immer spießig“
„Ich verdiene mein Geld mit einem Produkt und das geht nur so lange dieses Produkt gut ist. Irgendwann ist es nicht mehr gut – da kannst du noch so viel trainieren“, ist sie sich der Endlichkeit ihrer Profession bewusst. „Das bewegt sich zwischen 30 und 35, dann muss etwas Neues her. Das darf man nicht verpassen!“ Also ging Andrea auf die Suche und verliebte sich sofort in die 120 Quadratmeter, auf denen bereits zuvor ein Fitnessstudio betrieben wurde. 4.000 Euro hat sie investiert und nicht nur Mutter Edith ist stolz, nun eine Unternehmerin zur Tochter zu haben.
„Tief in mir drin war ich schon immer spießig. Es hat nur ein paar Jahre gedauert, das zu erkennen“, erzählt sie auch dem Privatsender RTL, der Andrea Dreikluft in seiner Reihe „Faszination Leben“ vorstellt: „Kurswechsel an der Stange – Eine Gogo-Tänzerin will bürgerlich werden“ titelt die Reportage. Dazu gehört auch die große Liebe, die sie in ihrem Freund Jörg gefunden hat. Seit einem Jahr leben die beiden zusammen, wollen heiraten. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich einen Mann finde, der es wert wäre, diesen Weg einzuschlagen. Und ich hätte ebenso wenig gedacht, dass es mir Spaß macht!“, staunt Andrea mittagessenkochend über sich selbst.
Aber auch der alte Job hat nach wie vor seinen Reiz – wobei sie keine von denen sein möchte, die splitternackt ihre Beine auseinanderreißen: „Ich muss nicht alles zeigen. Die Männer dürfen ruhig ein bisschen Phantasie spielen lassen…“ Und sollte eine ihrer Fitnessstudiokundinnen je doch einmal genauer wissen wollen, wie man sich sexy vor dem Partner entblättert, ist eine Extra-Einheit bei der neuen Geschäftsführerin sicherlich verhandelbar.
