3. November 2011

Kopfkino

KopfkinoDass Kopf­kino auch Lein­wand­for­mat haben kann, zeigt Ser­dar Dogans gleich­na­mige in der Region Karls­ruhe gedrehte No-​​Budget-​​Romantik-​​Komödie (Kam­beck­film) über den schüch­ter­nen Buch­händ­ler Tonio (Ben Han­sen), der das Herz von Kell­ne­rin Julia (Mary Muh­sal) erobern möchte.

Und zwar mit einem Song beim anste­hen­den Newcomer-​​Contest – soweit jeden­falls der Plan von Tonios Mit­be­woh­ner Schnit­zel (Chris­tian Gin­ge­rich alias Cris Cosmo). Julias neben­buh­lende Jugend­liebe Raphael (Jacob Jen­sen) und die eben­falls um den Plat­ten­ver­trag eifernde Band Illec­tro­nic Rock machen die Sache noch­mal spannend.

Wie bei Cris Cosmos Musik­vi­deo zu „Scheiß auf Face­book“ zeich­net sich Dogan für Kamera, Schnitt und Regie ver­ant­wort­lich und schrieb außer­dem das mit den Rea­li­tä­ten spie­lende Dreh­buch, in dem er den Anti­hel­den sei­nes Lang­film­de­büts fort­wäh­rend in Träu­me­reien abschwei­fen lässt. Dann schlüpft Tonio aus dem Graue-​​Maus-​​Pullunder und erobert seine Julia als Rit­ters­mann, Cabrio-​​Proll, Barock­fürst oder Stummfilmdarsteller.

Orts­kun­dige erken­nen dabei Loca­ti­ons wie die Dur­la­cher Buch­hand­lung Der Rabe und das Café Cielo, den Lan­d­auer Club Das Haus, die Klos­ter­ruine Frau­en­alb, das Pforz­hei­mer Kup­fer­dächle oder das Bruch­sa­ler Schloss. Getra­gen wer­den die 86 kurz­wei­li­gen Minu­ten auch durch viel Musik, unter ande­rem von Fatma 2 Soul, den Trom­pe­ten­pun­kern Yakuzi, The Gently Tunes oder den Electro-​​Rockern Mr. Win­ter­bot­tom. Seine klei­nen, aber durch­aus sym­pa­thi­schen Schwä­chen macht die schlichte Geschichte mit atmo­sphä­ri­scher Stärke und einem spitz­bü­bi­schen Schluss-​​Twist wett.