Kultur in KarlsruheEben noch in der Web-​​Steinzeit, jetzt schon im App Store. Alles neu machte der Mai 2011: 15 Jahre nach­dem karls​ruhe​.de erst­mals ins Netz ging, spen­dierte die Internet-​​Hauptstadt ihrem Por­tal das über­fäl­lige Face­lif­ting. Jetzt haben Kul­tur­amt, Stadt­mar­ke­ting und Medi­en­büro mit einer auf den gepimp­ten mul­ti­funk­tio­na­len Ver­an­stal­tungs­ka­len­der bau­en­den Kultur-​​Onlinekampagne nach­ge­legt, die zum WWW-​​Kern via Smartphone-​​Applikation „Kul­tur To Go“ bietet.

Die schöne neue, mit öffent­li­chen Gel­dern finan­zierte Welt will die regen Kul­tur­ma­cher pus­hen; ist dabei aber ein Quasi-​​Affront gegen alle hie­si­gen kom­mer­zi­el­len Medien — sei’s Online-​​Tageszeitung, Anzei­gen­blatt oder eben Stadt­ma­ga­zin — die mit mal weni­ger, mal mehr Kos­ten und Mühen die Karls­ru­her Kul­tur­land­schaft flan­kie­ren, indem sie mög­lichst voll­stän­dig die rele­van­ten Ter­mine erfas­sen und auf­be­rei­ten. Eine urei­genste Dienst­leis­tung, die ange­sichts des zuneh­men­den Information-​​Overflows in den zu Ver­mark­tungs­ka­nä­len ver­kom­men­den Social Net­works Face­book & Co. immer bedeu­ten­der wird.

Selbst­kri­tisch ange­merkt: Nicht alle die­ser loka­len Medi­en­auf­tritte bie­ten zeit­ge­mäße und dem Zeit­geist ent­spre­chende Funk­tio­na­li­tä­ten wie iCalendar-​​Import, Kom­men­tie­rung, Emp­feh­lung oder „Freu mich drauf“-Button, und schon gar nichts Ver­gleich­ba­res wie die von HfG und ZKM kon­zi­pierte Kostenlos-​​App. In Rolf-​​Kauka-​​Ästhetik und dem „Kul­tur & Tourismus“-Blau der Karls­ru­her Web­site gehal­ten, visua­li­siert die Fin­ger­wisch­ver­sion den V-​​Kalender auch über einen Kul­tur­stadt­plan inklu­sive Weg­be­schrei­bung und Terminerinnerung.

Aller­dings ist neben welt­frem­den London-​​Vergleichen bei der Prä­sen­ta­tion mit viel Tam­tam und der Vor­gabe „Der User soll immer etwas fin­den“ gerade die Ver­läss­lich­keit der Daten­ba­sis und damit der News-​​Wert frag­lich: Denn redak­tio­nelle Leis­tung wird getreu dem alten Web-2.0-Lehrsatz „Lass das doch die Com­mu­nity machen“ aus­ge­la­gert. Die geprie­se­nen 135 Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen sind unge­ach­tet ihrer per­so­nel­len Mög­lich­kei­ten und der Option auf Auto­ma­ti­sie­rung zum Selbst­ein­tra­gen ange­hal­ten. Wer nicht pflegt, fin­det nicht statt. Und für lau­sige Ter­min­ka­len­der gibt es ja bereits bei grö­ße­ren Online-​​Portalen in der Stadt ein­drucks­volle Beispiele.