3. November 2011

Willkommen im Süden

Willkommen im Süden„Bien­ve­nue chez les Ch’tis“? „Ben­ve­nuti al Sud“! Abge­se­hen vom Titel und der Fahrt­rich­tung ändert sich beim Remake von Dany Boons Culture-​​Clash-​​Komödien-​​Hit „Will­kom­men bei den Sch’tis“ aus dem Jahr 2008 wenig: Der bis dato erfolg­reichste fran­zö­si­sche Film wurde mit fast fünf Mil­lio­nen Zuschau­ern auch in Ita­lien zum hei­misch pro­du­zier­ten Kas­sen­schla­ger par excellence.

Mai­land ist die neue Cote d’Azur, statt Kad Merad agiert Clau­dio Bisio, aus Phil­ippe Abrams macht „Will­kom­men im Süden“ den nord­ita­lie­ni­schen Post­be­am­ten Alberto Colombo, der sich ange­sta­chelt von sei­ner Frau Sil­via (Angela Finoc­chi­aro) aus der Pro­vinz her­aus für Höhe­res emp­feh­len möchte. Um seine Chan­cen zu stei­gern, setzt er auf die Behin­der­ten­quote. Der Schwin­del rollt nach hin­ten los, Alberto wird nach Süd­ita­lien straf­ver­setzt. Voll böser Vor­ah­nun­gen macht er sich auf ins Land der ver­müll­ten Mafiosi, deren Ita­lie­nisch kein Mensch kapiert.

Statt­des­sen trifft er in dem male­ri­schen Ört­chen Cas­tella­bate auf einen herz­li­chen Men­schen­schlag um Brief­trä­ger Mat­tia (Ales­san­dro Siani, gespro­chen von Rick Kava­nian) und den Regis­seur der Vor­lage, der einen Cameo-​​Auftritt als Post­kunde absol­viert. Da die Fern­be­zie­hung sei­ner Ehe äußerst gut bekommt, lässt Alberto der Gat­tin ihren Glau­ben über den ver­ru­fe­nen Süden. Bis sie beschließt, ihn in sei­nem ver­meint­li­chen Elend zu besuchen.

Mit der Geschichte über­nom­men wurde die Crux des Ori­gi­nals: Auch das Remake „Will­kom­men im Süden“ (Con­stan­tin Film) flüch­tet sich in künst­li­ches Kau­der­welsch. Die syn­chro­ni­sier­ten Fas­sun­gen ver­lie­ren dabei ebenso an Wort­witz, als würde man Fran­zo­sen oder Ita­lie­nern einen nach Sach­sen weg­be­för­der­ten Ham­bur­ger über­set­zen wol­len. Ein pos­sier­lich auf­ge­zo­ge­nes Spiel mit dem über­all vor­herr­schen­den Kli­schee ist wie­derum Bürge, dass die Vari­ante des bereits an einer ori­gi­nä­ren Fort­set­zung arbei­ten­den Regis­seurs Luca Mini­ero den­noch wun­der­bar lie­bens­wert zu unter­hal­ten versteht.