1. Dezember 2011
Nichts zu verzollen
Wenn sich die innereuropäische Filmindustrie schon gegenseitig kopiert, muss die Vorlage exzellent gewesen sein. Wie der bis dato erfolgreichste französische Streifen „Willkommen bei den Sch’tis“, den Luca Miniero jüngst ins Italienische übersetzt hat. Mit „Nichts zu verzollen“ (Prokino Home Entertainment) verlegt Dany Boon seine vorurteilsbehaftete Farce ins belgisch-französische Grenzgebiet, wo sich zwei scharmützelnde Zollbeamte im Januar 1993 nicht nur mit dem Schengener Abkommen und seinen endgültig fallenden Schlagbäumen arrangieren müssen: Die Fritte und der Camembert sollen künftig gemeinsam Dienst schieben.
Auf Grande-Nation-Seite des Übertrittsörtchens Courquain respektive Koorkin kontrolliert der Regisseur in der Rolle von Mathias Ducatel höchstselbst; nur wenige Meter entfernt im Königreich Belgien sein schießlustiger und zutiefst frankophober Kollege Ruben Vandevoorde (Benoît Poelvoorde). Und der meldet sich umgehend, als in Folge der Grenzöffnung eine mobile binationale Douanen-Patrouille startet. Sein neuer Franzacken-Gefährte im klapprigen Renault 4 wird ausgerechnet Mathias. Der ist heimlich mit Rubens Schwester Louise (Julie Bernard) liiert und muss beim Schwager in spe gut Wetter machen, will er seinen Heiratsantrag in die Tat umsetzen.
Nahe an der Grenze zum Klamauk changiert Boon in dieser absurd-romantischen Gendarmen-Komödie, Poelvoorde zwischen Grimassenspiel und Wutattacke eines Louis de Funès. Mit der nach „Sch’tis“-Schema angelegten Synchronisation zusätzlich herausgearbeitet geht der aus den Ressentiments resultierende Witz länderübergreifend durch; vergegenwärtigt aber auch, dass es seine liebe Zeit brauchen wird, bis der europäische Gedanke im letzten Betonkopf angekommen ist.
