12. Januar 2012

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VerblendungDer Ami schaut syn­chro­ni­sierte Movies allen­falls im Arthouse-​​Cinema. Also wird gewinn­träch­ti­ger Stoff aber­mals ver­filmt, auch wenn das Ori­gi­nal noch keine drei Jahre alt ist – wie der vom schwe­di­schen Krimi-​​Autor Stieg Lars­son unvoll­en­de­ten „Millennium“-Reihe ers­ter Teil. Bei der „Ver­blen­dung“-Neu­auf­lage ist mit David Fin­cher das seit „Sie­ben“ per­so­ni­fi­zierte Syn­onym für den abgrün­di­gen Thril­ler am Werk gewesen.

Daniel Craig über­nimmt den Part von Michael Nyqvist als gerech­tig­keits­fa­na­ti­scher, wegen Ver­leum­dung im „Millennium“-Magazin ver­ur­teil­ter Wirt­schafts­jour­na­list Mikael Blomkvist, der den Auf­trag des Groß­in­dus­tri­el­len Hen­rik Van­ger (Chris­to­pher Plum­mer) als Chance zur Reha­bi­li­ta­tion von Ehre und Konto begreift. Er soll her­aus­fin­den, was hin­ter dem Ver­schwin­den von Van­gers Lieb­lings­nichte (Joely Richard­son) steckt. Der Patri­arch hat sei­nen eige­nen, mit Alt-​​Nazis durch­setz­ten Clan unter ver­schärf­tem Verdacht.

Denn seit 40 Jah­ren bekommt er nach wie vor Geburts­tags­blu­men von Har­riet – eine Tra­di­tion, die nur den engs­ten Ver­wand­ten bekannt war. Seine Nach­for­schun­gen auf dem abge­schot­te­ten Fami­li­en­ei­land brin­gen Blomkvist mit der pun­ki­gen Hacke­rin Lis­beth Salan­der (Roo­ney Mara) zusam­men und hin­ter der bür­ger­li­chen Fas­sade sto­ßen sie auf sexu­el­len Miss­brauch, Inzest und eine ganze Mord­se­rie, die sich von der Ver­gan­gen­heit in die Gegen­wart zieht.

„The Girl With The Dra­gon Tat­too“ – Ori­gi­nal­ti­tel und Pseud­onym für die heim­li­che Haupt­fi­gur der trau­ma­ti­sier­ten Lis­beth – wird von Roo­ney Mara weni­ger hart, dafür noch uner­gründ­li­cher dar­ge­stellt, als es die zur moder­nen Pop­kul­tur­i­kone sti­li­sierte Noomi Rapace bei Niels Arden Oplev schon getan hat, wäh­rend sich Daniel Craig in seine eher funk­tio­nale Rolle fügt.

Beschränkt auf wenige Varia­tio­nen zum Vor­gän­ger und der Buch­vor­lage „Män­ner, die Frauen has­sen“ ist Fin­chers 158-​​Minüter bei aller Redun­danz ein nicht min­der reiz­vol­ler wie scho­nungs­lo­ser Thril­ler gewor­den. Und sollte er sich auch für die Remakes von „Ver­damm­nis“ und „Ver­ge­bung“ bereit­er­klä­ren, könnte Hol­ly­wood sogar mit der ton­an­ge­ben­den Tri­lo­gie triumphieren.