Die Wahrheit der LügeFal­sche Scham haben Fil­me­ma­cher Roland Reber und sein bes­tens ein­stu­dier­tes WTP–Ensem­ble noch nie gekannt. Im Gegen­satz zu ihrem Kino­de­büt „24/​7“ oder der 2010 ange­lau­fe­nen Pro­vo­ka­ti­ons­pro­duk­tion „Engel mit schmut­zi­gen Flü­geln“ spielt Sex trotz reich­lich zur Schau gestell­ter nack­ter Haut beim klaus­tro­pho­bi­schen Psy­cho­drama „Die Wahr­heit der Lüge“ jedoch weni­ger eine Rolle.

Der Autor (Chris­toph Bau­mann) bezahlt für sein Buch­pro­jekt über Grenz­er­fah­run­gen zwei Frauen, sich ihm zu unter­wer­fen. Auf einer ver­lie­s­ähn­li­chen Indus­trie­bra­che nötigt er die Mutige (Marina Anna Eich) und die Zöger­li­che (Julia Jaschke) zum „Gip­fel“, indem er sie psy­chisch und phy­sisch ent­blößt, durch Water­boar­ding und Kreu­zi­gung fol­tert. Als seine Ver­le­ge­rin (Antje Nikola Mön­ning) den Gefan­ge­nen mit dem Tod droht, ent­glei­ten dem Pei­ni­ger die Fäden. Er ist selbst Part des Macht­spiels gewor­den, das seine Meta­phern­haf­tig­keit schon durch die aus­tausch­ba­ren Prot­ago­nis­ten kolportiert.

Mini­ma­lis­mus bleibt die Maß­gabe. Wie üblich wurde ohne einen Cent För­der­geld (aber erst­mals auf HD-​​Profi-​​Equipment mit der Arri Alexa) gedreht. Dass der vom Thea­ter kom­mende Reber sein kam­mer­spiel­ar­ti­ges Film­kon­zept auf­weicht und dies­mal ver­mehrt Kame­ra­fahr­ten ein­setzt, bringt dage­gen wohl­tu­ende Bewe­gung in die sonst oft sta­ti­sche Sze­ne­rie. Auch weil die Dia­loge weni­ger phi­lo­so­phie­rend gehal­ten sind, spricht „Die Wahr­heit der Lüge“ eine deut­li­chere Spra­che. Mit main­strea­mi­gen Seh­ge­wohn­hei­ten wird ange­sichts der sur­rea­len, teils bizarr-​​grotesken Bil­der immer noch gehö­rig gebro­chen; aller­dings hat der Exzen­tri­ker unter den deut­schen Regis­seu­ren seine bis dato all­ge­mein­ver­träg­lichste Arbeit abgeliefert.