Habemus PapamStell dir vor, wir sind Papst, und kei­ner kriegt’s mit. Diese Geschichte erzählt Auto­ren­fil­mer Nanni Moretti und öff­net die Six­ti­ni­sche Kapelle für Gott und die Welt: Nach dem Able­ben des Pon­ti­fex wird über das neue Ober­haupt der katho­li­schen Kir­che abge­stimmt. Doch der auf­stei­gende weiße Rauch und die titel­ge­bende For­mel „Habe­mus Papam“ (Pro­kino Home Enter­tain­ment), mit der die erfolg­rei­che Wahl ver­kün­det wird, trü­gen. Denn Kar­di­nal Mel­ville (Michel Pic­coli) bekommt eine Panik­at­ta­cke, als er vor die Menge auf dem Peters­platz tre­ten soll – und büxt aus.

Zurück blei­ben sein von sich über­zeug­ter Psy­cho­ana­ly­ti­ker Pro­fes­sore Brezzi (Moretti) und der am Ende sei­nes Lateins ankom­mende Vatikan-​​Pressesprecher (Jerzy Stuhr). Wäh­rend der Eine das Kon­klave nun eben­falls nicht mehr ver­las­sen darf und zum Zeit­ver­treib mit den Kar­di­nä­len ein Vol­ley­ball­tur­nier ver­an­stal­tet, lässt der Andere für die Öffent­lich­keit einen Schwei­zer­gar­dis­ten hin­ter zuge­zo­ge­nen Gar­di­nen Papst spie­len. Die echte Hei­lig­keit hat sich inzwi­schen unters römi­sche Volk gemischt und ent­deckt seine Thea­ter­lei­den­schaft aufs Neue.

Moretti, der wie in „Das Zim­mer mei­nes Soh­nes“ hin­ter wie vor der Kamera agiert, miss­ach­tet ganz bewusst die Erwar­tung. Hat er in sei­ner Vor­gän­ger­sa­tire „Der Ita­lie­ner“ so unmiss­ver­ständ­lich mit Medi­en­mo­gul Sil­vio Ber­lus­coni abge­rech­net, lässt er nun allen­falls sanfte Iro­nie anklin­gen und setzt sich lie­ber selbst als See­len­klemp­ner komö­di­an­tisch in Szene.

Cha­rak­ter­dar­stel­ler Pic­coli hält mit sei­nem zwi­schen Würde und Ver­zweif­lung ange­leg­ten Part dage­gen. Und viel­leicht ist Can­nes’ „Gol­dene Palme“-Anwärter von 2011 auch genau des­halb in den Pro­duk­ti­ons­län­dern Ita­lien und Frank­reich zum Über­ra­schungs­er­folg gewor­den, weil er uns den unfehl­ba­ren Stell­ver­tre­ter Christi von einer unge­wohn­ten Seite zeigt: der menschlichen.