Türkisch für AnfängerWäh­rend es im ame­ri­ka­ni­schen Kino Gang und Gäbe ist, Serien groß auf­zu­zie­hen, mutet die­ser Ver­such in Deutsch­land noch rela­tiv exo­tisch an. Genau diese Marsch­rute gibt Autor Bora Dag­tek sei­nem neu erzähl­ten „Tür­kisch für Anfän­ger“ (Con­stan­tin Film) vor, in dem sich die Fami­lien Schnei­der und Öztürk unter ande­ren Umstän­den auf einer Thailand-​​Reise ken­nen­ler­nern dür­fen – sie stür­zen zusam­men ab.

Zu ver­dan­ken hat das die ver­korkste Kratz­bürste Lena (Jose­fine Preuß) ihrer Mut­ter Doris (Anna Stieb­lich): Die Psy­cho­the­ra­peu­tin und Berufs­ju­gend­li­che hat ihr Schei­dungs­kind zu einem gemein­sa­men Urlaub genö­tigt. Und so stran­det Lena an der Seite des unver­fro­re­nen Flug­zeug­ne­ben­sit­zers Cem (Elyas M’Barek), des­sen streng­gläu­bi­ger Schwes­ter Yag­mur (Pegah Fery­doni) und dem stot­tern­den Grie­chen Costa (Arnel Taci) auf einer ein­sa­men Insel. Wäh­rend die auf ein Lebens­zei­chen hof­fende Doris in einer Hotel­an­lage Cems konventionell-​​bürgerlichen Witwer-​​Vater Metin (Adnan Maral) trifft, eröff­nen die Jugend­li­chen im schein­bar unbe­rühr­ten Para­dies den ver­ba­len Schlagabtausch.

Drei Staf­feln lang ließ Dag­tek zwi­schen 2006 und 2008 in der ARD die Men­ta­li­tä­ten auf­ein­an­der­pral­len; fürs Regie­de­büt hat er fast alle TV-​​Darsteller ver­pflich­ten kön­nen, stellt die Uhr aber auf null. Dem Thema Inte­gra­tion wird sich von der gewohnt politisch-​​unkorrekten Seite genä­hert, über­zo­gene Reli­gio­si­tät blitzt ebenso ab wie Eman­zi­pa­ti­ons– und Männ­lich­keits­wahn. Kna­ckige One­li­ner, kuriose Gast­auf­tritte von Katja Rie­mann und dem kürz­lich über­ra­schend gestor­be­nen Gün­ther Kauf­mann sowie gleich drei schwung­voll erzählte Roman­zen fügen sich zum eigen­stän­di­gen Film, der gerade bei den Seri­en­ab­sti­nenz­lern lan­den kann.