21. September 2012

The First Rasta

The First RastaMit Leo­nard Per­ci­val How­ell stirbt am 25. Februar 1981 ziem­lich unbe­ach­tet jener Mann, der Reggae-​​Ikone Bob Mar­ley Bot­schaft und Namen gab: The Gong. Auch die Erin­ne­rung an die erste reli­giöse Figur der Ras­ta­fa­ris hat Jamaika damals begra­ben. Hélène Lee legt mit ihrer eng­lisch­spra­chi­gen Doku­men­ta­tion die wich­tigs­ten Sta­tio­nen im Leben des „First Rasta“ (Neue Visio­nen/​Good Movies/​Indigo) wie­der frei.

Den Spu­ren des Matro­sen, Wel­ten­bumm­lers und Revo­lu­tio­närs fol­gend, begibt sich der Film auf eine Reise durch die erste Hälfte des 20. Jahr­hun­derts; sie führt von Jamaika über Panama, New York und Russ­land bis in die von How­ell gegrün­dete Rastafari-​​Kommune Pinnacle.

Zwi­schen Auf­stän­den gegen die bri­ti­schen Kolo­nia­lis­ten um King George, die moderne Skla­ve­rei der Bana­nen­kon­zerne und andere Aus­wüchse des Babylon-​​Systems sah er sich mit den unter­schied­lichs­ten Gesell­schafts­ent­wür­fen sei­ner Zeit kon­fron­tiert: Pazi­fis­mus, Mar­xis­mus, Anar­chis­mus und der Lehre Gan­dhis. In Har­lem atmete How­ell den schwar­zen Geist der Roaring Twen­ties, wird schließ­lich zum Anhän­ger des äthio­pi­schen Kai­sers Haile Selas­sie, dem Mes­sias, der vor sei­ner Krö­nung Ras Tafari hieß, und ver­eint Ideen aus Spi­ri­tua­li­tät und Ideo­lo­gie, aus bib­li­scher Offen­ba­rung und Karl Marx zu sei­ner neuen Weltanschauung.

Die fran­zö­si­sche Musik­jour­na­lis­tin Lee hat eine akri­bi­sche Rekon­struk­tion zusam­men­ge­stellt, in der neben Zeit­zeu­gen auch Artists wie Max Romeo und The Abys­si­ni­ans über How­ell und die Rasta-​​Bewegung spre­chen. Wer mehr über ihren berühm­tes­ten Anhän­ger erfah­ren möchte, schaut Kevin Mac­do­nalds ful­mi­nan­tes Film­denk­mal „Mar­ley“; „The First Rasta“ erzählt die grün-​​gelb-​​rote Kul­tur­ge­schichte, die zwi­schen den Reggae-​​Klängen mitschwingt.