7. September 2012

Ziemlich beste Freunde

Ziemlich beste FreundeFran­zö­si­sches Kino ist immer für Über­ra­schun­gen gut. Das hat 2008 „Will­kom­men bei den Sch’tis“ bewie­sen; und die auf der Auto­bio­gra­fie „Le second souf­fle“ beru­hende Tra­gi­ko­mö­die über die unge­wöhn­li­che Freund­schaft zwi­schen dem ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rer eines Cham­pa­gner­pro­du­zen­ten, Phil­ippe Pozzo di Borgo, der nach einem Paragliding-​​Absturz vom Hals abwärts gelähmt ist, und sei­nem Pfle­ger, dem alge­ri­schen Sozialhilfe-​​Empfänger Abdel Sellou, zählte allein in Deutsch­land 8,5 Mil­lio­nen Besucher.

Letz­te­rer wird im Film zum Sene­ga­le­sen Driss (Omar Sy), der sich eigent­lich nur pro forma bewer­ben wollte, um den Stem­pel fürs Arbeits­amt zu kas­sie­ren. Doch macht des­sen Unbe­küm­mert­heit Phil­ippe (François Clu­zet) neu­gie­rig — spon­tan stellt er ihn ein. Und immer mehr fin­den Reich und Arm, Weiß und Schwarz, Poet und Groß­maul, Grum­mel und Spaß­vo­gel, Stadt­pa­lais und Ban­lieue, fei­ner Zwirn und Kapu­zens­hirt, Vivaldi und Earth, Wind & Fire zueinander.

Gemein­sam trot­zen sie der trost­lo­sen Rea­li­tät Hoff­nung und Lebens­freude ab, kif­fen, bestel­len Pro­sti­tu­ierte zur Ohr­läpp­chen­mas­sage, ver­an­stal­ten Roll­stuhl­ren­nen und holen den Mase­rati unter der Abdeck­plane hervor.

Eine die­ser Fahr­ten nut­zen die Regis­seure Oli­vier Naka­che und Éric Tole­dano für die „Ziem­lich bes­ten Freunde“ (Sena­tor Home Enter­tain­ment) als erzäh­le­ri­sche Klam­mer, zwi­schen der sie mit viel Gespür fürs Timing eine anrüh­rende Geschichte der Gegen­sätze ent­fal­ten, die getra­gen von der Har­mo­nie ihrer Haupt­dar­stel­ler jeg­li­ches Kli­schee über­spielt, bei aller Ernst­haf­tig­keit eine äußerst hei­tere Art an den Tag legt und mit Ludo­vico Ein­au­dis Pia­no­stück „Una mat­tina“ in woh­li­gen Schau­ern ausklingt.