8. November 2012

Huhn mit Pflaumen

Huhn mit PflaumenDer ambi­tio­nierte auto­bio­gra­fi­sche Ani­ma­ti­ons­film „Per­se­po­lis“ hat 2007 den Zei­chen­trick erwach­sen wer­den las­sen. Beim Zweit­werk „Huhn mit Pflau­men“ (Pro­kino Home Enter­tain­ment) bil­det die ira­ni­sche Comic-​​Künstlerin Mar­jane Satrapi wie­derum ein Regie­ge­spann mit Vin­cent Paronn­aud, nimmt sich aber­mals eine ihrer Gra­phic Novels vor, die auf den fami­liä­ren Anek­do­ten­schatz zurück­geht — und macht dar­aus zur Abwechs­lung ein Live-​​Action-​​Movie.

Ihr Groß­on­kel steht Pate für Nasser-​​Ali Khan (Mathieu Amal­ric) und der größte Gei­ger sei­ner Zeit ist untröst­lich: Ehe­frau Far­an­gu­isse (Maria de Medei­ros) hat im Streit sein Instru­ment zer­trüm­mert! Die uner­setz­li­che Vio­line stammt vom Lehr­meis­ter (Didier Fla­mand) und war der ein­zige Trost­spen­der für die uner­füllte Liebe zu Kauf­mann­s­toch­ter Irâne (Gols­hifteh Fara­hani), deren Vater (Serge Ave­di­kian) dem gemein­sa­men Glück im Wege stand.

Weder seine Kin­der (Mathis Bour und Enna Bal­land) oder der Bru­der (Éric Cara­vaca) noch die Leib­speise Huhn mit Pflau­men kön­nen Nasser-​​Ali vom fata­lis­ti­schen Ent­schluss abbrin­gen, zu ster­ben: Freud­los lässt er die lebens­ent­schei­den­den Erin­ne­run­gen Revue pas­sie­ren und erwar­tet den Todes­en­gel Azraël (Édouard Baer).

Der holt ihn am ach­ten Tag und in ebenso vie­len Kapi­teln schach­teln sich in Folge Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart. Die poetisch-​​entrückte Stim­mung von „Die fabel­hafte Welt der Amé­lie“ klingt schon beim Cover-​​Artwork an und stei­gert sich noch zum ori­en­ta­li­schen Mär­chen in einem unpo­li­ti­schen Tehe­ran der 1950er. Mit sei­nem französisch-​​pittoresken Stil ist es Teil eines blen­dend schö­nen Bil­der­rei­gens, der letzt­end­lich zu ober­fläch­lich bleibt, um ihn bedin­gungs­los lie­ben zu können.