Juli FoosDes einen Müll sind ihre Schätze. Zei­tun­gen, Ein­kaufs­tü­ten, Kas­sen­zet­tel, Bon­bon­pa­pier­chen, Tempo-​​Päckchen und Fla­schen­de­ckel ver­wer­tet Juli Foos für ihre aus­ge­fal­le­nen Tep­pich­krea­tio­nen One Man’s Trash, Ano­ther Man’s Treasure.

„Mir gefällt der Gedanke, den Müll dort zu las­sen, wo er sonst auch zu fin­den ist — auf dem Boden. Nur eben in geord­ne­ter Form.“ Dazu ver­webt die Absol­ven­tin der Karls­ru­her Hoch­schule für Gestal­tung verzwir­belte Zei­tungs­sei­ten, ver­bin­det mit Nylon­schnur Bäcker­tü­ten zu Tep­pi­chen in blau-​​weißer Kamps– oder rot-​​gelber Badische-Backstub’-Ausführung; die Ultra­schall­schweiß­ma­schine sorgt dafür, dass die Schokobon-​​Papierchen ver­schmel­zen, aus ver­schie­den­far­bi­gen Mine­ral­was­ser­ver­schlüs­sen legt sie Blu­men­for­men, die mit dem Bügel­ei­sen ver­klebt wer­den, Plas­tik­tü­ten hal­ten den Creme­de­ckel­tep­pich zusam­men und kom­men als zie­rende Fran­sen wie­der zum Vorschein.

Schon wäh­rend ihres Stu­di­ums an der HfG und der Uni­ver­sity Of Art And Design in Hel­sinki expe­ri­men­tierte die gebür­tige Büh­le­rin mit tex­ti­ler Hand­ar­beit und Gra­fik; ver­gan­ge­nes Jahr durfte sie ihren Pro­to­typ — den auch als plü­schige Bom­mel­va­ri­ante erhält­li­chen Donut­tep­pich aus mit Plas­tik­tü­ten umwi­ckel­ten Papprin­gen — und die übri­gen Läu­fer bei der inter­na­tio­na­len Kunst– und Desi­gn­messe „Euni­que“ ausstellen.

„Neben der Mate­ri­al­poe­sie und dem prak­ti­schen Nut­zen erzäh­len meine Tep­pi­che sehr viel über unsere Weg­werf­ge­sell­schaft“, sagt Juli Foos, die urbane Spu­ren und der öffent­li­che Raum schon lange inspi­rie­ren: Zum „Karls­ru­her Stadt­ge­burts­tag“ schmückte sie 2011 die durch U-​​Strab-​​Baustellen ver­un­stal­tete Innen­stadt mit Vor­hän­gen aus Absperr­band, rahmte Graf­fi­tis, bes­tem­pelte im Kar­tof­feldruck­ver­fah­ren mit Gul­li­de­ckeln, Zäu­nen und Lüf­tungs­schäch­ten sty­li­sche Shirts und foto­gra­fierte für ihren Karlsruhe-​​Comic „Das Leben auf der Straße“ Streetart-​​Motive. Die Geschichte über den betrüb­ten alten Kater Ise­grim soll die­ses Jahr Nach­wuchs bekommen.

Bereits im Früh­jahr zieht Juli Foos ins Krea­tiv­grün­der­zen­trum Per­fekt Futur auf den Alten Schlacht­hof, wo sie sich mit ihrem zum Label erwei­ter­ten Diplom­pro­jekt „One Man’s Trash, Ano­ther Man’s Tre­a­sure“ erfolg­reich für einen der umfunk­tio­nier­ten See­fracht­con­tai­ner bewor­ben und oben­drein sogar ein Sti­pen­dium erhal­ten hat. Bei der Namens­ge­bung stand übri­gens ein Fas­sa­den­schrift­zug in Kopen­ha­gen Pate, der ihr wäh­rend einer Dänemark-​​Reise ins Auge gesprun­gen ist. Im neuen Domi­zil ori­en­tiert sich die 27-​​Jährige nach oben — auch räum­lich gedacht.

„Neben Tep­pi­chen möchte ich künf­tig Lam­pen und Kron­leuch­ter ent­wer­fen“, plant Juli Foos. Eine Mate­ri­al­kom­po­nente sam­melt sie dafür bereits eif­rig: Bier­git Krafts Röckle, die Alu­kra­gen der Tannenzäpfle-​​Flaschen. Und es ist ihr nur zu wün­schen, dass sich die­ser Ein­falls­reich­tum künf­tig auch ver­gol­den lässt.