11. April 2013

Georg Baselitz

Georg BaselitzBei ihm steht die Kunst­welt Kopf. 1969 begann Georg Base­litz mit der 180-​​Grad-​​Bilddrehung, die seit sei­nem „Wald“-Motiv als Mar­ken­zei­chen gedeu­tet wird. Für die Doku­men­ta­tion von Eve­lyn Schels hat sich der zurück­ge­zo­gen lebende Maler und Bild­hauer, einst Akademie-​​Professor in Karls­ruhe, zum ers­ten Mal von einer Film­ka­mera bei der Arbeit beob­ach­ten lassen.

Drei Jahre beglei­tet sie ihn durch die jüngs­ten Aus­stel­lun­gen im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris und der New Yor­ker Gagosian Gal­lery bis in seine Ate­liers in Impe­ria und am Ammer­see. Schels, die bereits 2004 ein kur­zes Baselitz-​​Porträt gedreht hat, darf das Fami­li­en­al­bum durch­blät­tern, inter­viewt Ehe­frau Elke, die Söhne Anton und Daniel, Weg­ge­fähr­ten wie Foto­graf Ben­ja­min Katz oder Gale­rist Michael Wer­ner und zeich­net die wich­tigs­ten Sta­tio­nen des 75-​​Jährigen nach: Gebo­ren als Hans Georg Kern, Kind­heit im säch­si­schen Deutsch­ba­se­litz, nach Kriegs­ende reni­tente DDR-​​Jugend inklu­sive Kunst­hoch­schul­aus­schluss, Umzug nach West­ber­lin, ers­ter öffent­li­cher Auf­tritt, Kul­tur­flucht ins ita­lie­ni­sche Exil, schließ­lich der inter­na­tio­nale Durch­bruch mit sei­ner Pre­mie­ren­plas­tik „Modell für eine Skulp­tur“ auf der „Bien­nale“ 1980 in Venedig.

Zwi­schen­durch erzählt Base­litz vom pro­ble­ma­ti­schen Ver­hält­nis zu sei­nem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Vater, dem Skan­dal ums Ona­nie­ge­mälde „Die große Nacht im Eimer“, wäh­rend er mit der Motor­säge bewaff­net an zwei über­di­men­sio­nier­ten unter­ge­hak­ten Holz­skulp­tu­ren wer­kelt, die ihn und seine Frau dar­stel­len. Am meis­ten Aus­sa­ge­kraft haben dabei nicht die bil­dungs­bür­ger­li­chen Lob­ge­sänge, denen jeg­li­cher kunst­his­to­ri­sche Kon­text abgeht. Son­dern jene Sze­nen, in der die Kunst ent­steht: Wenn Base­litz seine Pin­sel­stri­che setzt, tupft, prü­fend drein­blickt, Far­ben inein­an­der­schabt und wie­der ver­wischt, kann man sich noch am ehes­ten ein unge­fäh­res Bild vom Men­schen hin­ter der Künst­ler­fi­gur machen.